Rezension | Der grosse Sommer – Freundschaft, Abenteuer & die erste Liebe

»Es war manchmal viel leichter, sich im Dunkeln zu unterhalten.«

– Der grosse Sommer, S.145

Der grosse Sommer | Ewald Arenz | Juni 2022 | Dumont Buchverlage | 320 Seiten

Passend zu den heissen Sommertagen habe ich Der grosse Sommer von Ewald Arenz gelesen. Nun sitze ich während den ersten kühlen Herbsttagen an der Rezension zu diesem tollen Buch und hoffe, dass sie noch vor dem ersten Schnee im Flachland online gehen kann. In den Bergen hat es ja bereits geschneit, da kommt sie definitiv zu spät.

Kurz zum Inhalt

Frieders Aussichten auf die langen Sommerferien scheinen nicht allzu rosig zu sein, Mathe und Latein büffeln bei den Grosseltern, während seine Familie in den Urlaub fährt. Doch er verbringt die Zeit lieber im Freibad mit seiner Schwester Alma, seinem besten Kumpel Johann und Beate, dem Mädchen im flaschengrünen Badeanzug. Doch als Johann’s Familie von einem Schicksalsschlag getroffen wird, werden die vier Freunde mit dem Ernst des Lebens konfrontiert.

Die erste Liebe, Abenteuer, psychische Probleme

Nicht alle Coming-of-Age Romane mag ich gleich gerne. Ich glaube, je älter man wird, desto banaler kommen sie einem vor. Der grosse Sommer aber konnte mich ganz gut abholen. Wahrscheinlich weil er so unaufgeregt und „normal“ daher kommt und ein gewisses nostalgisches Flair versprüht. So werden Abenteuer in einer alten Brauerei oder einer Kiesgrube beschrieben und der Sprung vom 10 Meterturm im Freibad ist die Mutprobe. Auch wenn die Aufregung und das Kribbeln um die erste Liebe immer noch das Gleiche ist. Die Freundschaft von Frieder, Alma, Beate und Johann erinnert an die eigene Jugend und die Abenteuer, die man mit den eigenen Freunden erlebt hat.

In diesem Roman ist aber nicht nur das Kribbeln der erste Liebe von Frieder Thema, sondern auch die Beziehung und Liebe der Grosseltern, die fest im Leben verwurzelt sind. Das sorgt für eine ganz eigene Dimension und lässt den Roman sehr facettenreich erscheinen. Es werden so nämlich auch Themen wie Krieg und Flucht angeschnitten.

»Ich dachte immer. dass ich noch Zeit hätte. Das sich alles, was in mir steckte, noch zeigen würde. Als Schauspieler. Oder Filmemacher. Oder als Schriftsteller. Aber vielleicht hatte ich gar keine Zeit mehr.«

– Der grosse Sommer, S.199

Dieses Anschneiden von Themen war für mich manchmal aber auch ein Knackpunkt des Romans, da doch einiges irgendwie auf der Strecke blieb. Besonders aufgefallen ist es mir, als es um Johann’s psychische Probleme ging, die nach dem Aufenthalt in der Klinik wie weggeblasen schienen und von den Freunden auch nicht mehr wirklich angesprochen wurden. Da ich aber das Gefühl hatte, dass dieses Erlebnis doch für alle recht einschneidend war, fühlte es sich irgendwie unfertig an, dass da in der Erzählung nichts mehr kam.

Genau richtig für heisse Sommertage

Leicht und flüssig plätschert die Geschichte um Frieder und seine Freunde dahin. Man durchlebt den Sommer aus deren Sicht, wird gepackt von ihren Eindrücken, Ängsten und Sorgen. Zusammen mit der sommerlichen Atmosphäre, dem Flair der 80er Jahre und den authentischen Figuren ergibt das ein richtig stimmiges Sommerbuch. Allerdings hat mir doch ein wenig das Besondere gefehlt. Frieder erlebt zwar viele erste Male in diesem Sommer, überwindet Ängste und zeigt sich mutig, allerdings fehlte doch irgend etwas, dass diesen Sommer so ganz speziell gemacht hätte. Irgendwie suggeriert der Titel da ein wenig mehr.

Fazit

Der grosse Sommer ist definitiv ein tolles Buch für den Sommer. Das Flair der 80er, die sommerliche Atmosphäre und vier authentische Freunde machen es zu einem leichten, sommerlichen Lesevergnügen. Allerdings kommt die Geschichte meiner Meinung nach nicht an die Tiefe und Besonderheit von Alte Sorten ran. Das konnte mich noch einmal mehr verzaubern und gefangen nehmen. Aber nichts desto Trotz ist Ewald Arenz ein begnadeter Erzähler und nimmt uns mit in einen Sommer voller Abenteuer und Liebe. Definitiv ein Lese-Tipp von mir.

Weitere Meinungen

»Tatsächlich kommt „Der grosse Sommer“ in meinen Augen nicht ganz an „Alte Sorten“ heran, Ewald Arenz ist aber eine packende, sehnsuchtsvolle Geschichte über die erste Liebe, einen nie enden wollenden (und sollenden) Sommer, über eine aussergewöhnliche Familie und eine tiefe Freundschaft gelungen.« – Samtpfote mit Krallen

»„Der große Sommer“ hat meiner Meinung nach nicht ganz die Größe, welche der Titel verspricht. Trotzdem ist es ein schöner Coming-of-Age-Roman, der angenehme Lesestunden bringt.« – Zeit für neue Genres

»Ich bin mir ziemlich sicher, dass „Der große Sommer“ viele begeisterte Leser*innen finden wird. Für mich kam es allerdings nicht an „Alte Sorten“ heran.
Falls ihr euch allerdings dazu entscheiden solltet, „Der große Sommer“ zu lesen, dann würde ich euch ans Herzen legen, dies im Sommer zutun – dann kommt das Sommerfeeling, die erste große Liebe und die Probleme, die mit dem Heranwachsen einhergehen, viel besser herüber.
« – Isa’s Bücherblog

»Alles in allem: ein klassischer Coming-of-Age-Roman, der einmal dahinplätschert und dann wieder alles auf einmal durcheinanderwirbelt. Geeignet für Jugendliche im Prozess des Erwachsenwerdens oder auch als leichte Sommerlektüre für Erwachsene.«  – Buchgezwitscher


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6 Antworten zu “Rezension | Der grosse Sommer – Freundschaft, Abenteuer & die erste Liebe”

  1. Ohhhh Daniela

    Ich sehe gerade, dass du ein Zitat aus meiner Rezension und den Link zu meiner Rezension bei dir teilst, vielen Dank dafür, das ist sehr, sehr lieb.

    Es freut mich sehr, dass dir das Buch gut gefallen hat, deine Kritikpunkte kann ich aber ebenfalls sehr gut nachvollziehen. Ich bin mir aber – wie du – sicher, dass die zusätzliche Dimension mit der Beziehung zu den Grosseltern die Geschichte ein wenig gerettet hat. Ansonsten wäre sie wohl ein wenig gar banal (wenn auch wundervoll erzählt) gewesen.

    Alles Liebe an dich
    Livia

    Gefällt 1 Person

    • Das ist sehr gern geschehen, Livia!

      Ja, ohne diese unterschiedlichen Beziehungen wäre die Erzählung wohl gar banal daher gekommen. Wobei das ja irgendwie auch zum Alter der Protagonisten passt. Ewald Arenz ist einfach ein begnadeter Erzähler.

      Grüessli, Daniela

      Like

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