Quicktipp | Der Wintersoldat – Vom Krieg, der Liebe und dem Winter an der Ostfront

Daniel Mason | Der Wintersoldat | Dezember 2019 | C.H.Beck Verlag | aus dem Amerikanischen von Sky Nonhoff und Judith Schwaab | 430 Seiten

»Jetzt wurden die Wälder dichter, Kiefern und Tannen tauchten inmitten der Eichen auf.
Es waren ihre Wälder. Alles um ihn herum: ihr Farnkraut, ihre Disteln, ihr Gänsefuss.«
– S. 391

Lucius Krzelewski ist Anfang 20 als der erste Weltkrieg ausbricht. Als Sohn sowohl reicher, wie auch einflussreicher Eltern studiert er Medizin in Wien. Er ist mit viel Eifer bei der Sache, wissbegierig und mit dem Kopf ganz tief in der Theorie. Sein Wunsch, im Dienste der Menschheit zu stehen, treibt ihn an. Und so meldet er sich in einem Anfall von jugendlicher Naivität zum Dienst an der Front.

Als Sanitätsoffizier landet er in einem kleinen Dorf nahe der Russischen Grenze, in Lemnowice. Dort wurde eine Kirche zum Feldlazarett umfunktioniert, die Leitung liegt in der Hand der jungen Nonne Margarete. Sie sieht Lucius seine Unerfahrenheit bereits an der Nasenspitze an. Doch es bleibt keine Zeit sich an das Leben als Feldarzt zu gewöhnen, Lucius muss Wunden versorgen, Gliedmassen amputieren und sich um die Patienten kümmern. In regelmässigen Abständen schauen Rekrutierungsoffiziere der Armee im Lazarett vorbei und nehmen alle, die kaum genesen sind mit zurück an die Front.
In dem ganzen Elend geben sich Lucius und Margarete gegenseitig Halt, bis der Lauf des Krieges auch sie trennt und Lucius vor schwere Entscheidungen stellt.

»Lucius schaute ihr nach, wie sie die Strasse entlangging und um die Ecke bog. Am Himmel zogen die Wolken weiter, wie eine weisse Armee. Eine kleine Brise kam auf. Neben ihm knatterte der Vorhang, bauschte sich. Die Spatzen kehrten zurück, schwatzten. Lucius machte einen Schritt. Die Welt nahm ihn in Empfang.«

Der_Wintersoldat_1Der Wintersoldat hat mich wirklich umgehauen. Daniel Mason erzählt absolut ehrlich von der Brutalität des ersten Weltkrieges und dem Schatten, der sich über jene legte, die ihn überlebten. Schonungslos berichtet er von den psychischen Verletzungen der Soldaten, und dass zwar manch einer überlebt hat, die Seele aber bis ins Mark verwundet wurde. Auch Lucius bleibt davon nicht verschont, auch ihn verändert der Krieg. So wird er beinahe über Nacht erwachsen und muss sich von Tag zu Tag neu finden, um das Erlebte irgendwie verarbeiten zu können. Beinahe am Fliessband führt er zusammen mit Margarete Amputationen durch, ohne gross über die Konsequenzen nachzudenken. Viel Verantwortung, die da auf seinen jungen Schultern lastet. Umso grösser ist der Schreck, als Lucius zurück in Wien zum ersten Mal einen Kriegsversehrten sieht und merkt, dass er seinen Patienten zwar das Leben gerettet, sie aber auch gebrandmarkt hat.
Der Roman liest sich beinahe wie ein Kinofilm, Daniel Mason spart nicht mit expliziten Beschreibungen, Gerüchen oder Schmerzenslauten der Verwundeten. Besonders eindrücklich sind auch die Schilderungen des eisigen, unerbittlichen Winters, den viel zu dünnen Uniformen der Soldaten, ihren Erfrierungen und dem Tod in der Kälte. HighlightOder wie Lucius und Margarete immer mit Schuhen und Wintermantel bekleidet zu Bett gehen. Man weiss ja nie, wann man in der Nacht vom Krieg geweckt wird und flüchten muss…
Einige Stellen – besonders in der zweiten Buchhälfte – hätte ich mir etwas kompakter, straffer gewünscht, so dass weniger Wiederholung gewesen wäre. Alles in allem ist Der Wintersoldat aber ein absolut fantastisches Buch, das mich ganz von sich überzeugt hat.

Weitere Meinungen

»Daniel Mason schafft es, schriftstellerisch Bilder einzufangen: Situationen, Landschaften und innere Zustände, die den Leser in Bann ziehen. Ein historischer Roman, der in seiner Gesamtheit beeindruckend ist.« – Literaturblog Sabine Ibing

»Ich könnte noch lange weiter für den Roman schwärmen. Aber ich fasse es einfach in dem Satz zusammen: Lesen Sie dieses Buch!« – SL Leselust


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4 Kommentare zu „Quicktipp | Der Wintersoldat – Vom Krieg, der Liebe und dem Winter an der Ostfront

  1. In letzter Zeit habe ich mir so einige Buchtipps von dir auf Instagram abgespeichert, so dass ich es nun endlich auch mal wieder weiter auf deinen Blog geschafft habe (ich war länger nicht mehr hier, ich muss glaub wieder häufiger vorbeischauen:)!)
    Dieses Buch gehört dazu, ich bin schon gespannt darauf!
    Lg, Kathrin

    Gefällt 1 Person

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