Geplauder| Ach du liebe Locke! [Werbung]

Es ist wieder einmal Zeit für einen Beitrag der etwas anderen Art. Obwohl, so ganz richtig ist dies nicht, denn es geht sehr wohl um ein Buch, um ein Buch über Locken. Allerdings bleibt es nicht nur dabei, sondern es werden auch ganz viele meiner persönlichen Erfahrungen hier mit einfliessen.
Und obwohl ich mir das Curly Girl Handbuch selbst angeschafft habe und auch alle Produkte selbstgekauft sind, markiere ich diesen Beitrag als Werbung, denn ich werde euch Produkte zeigen und sie auch beim Namen nennen, was als Werbung aufgefasst werden kann. Ich möchte aber vorab erwähnen, dass jeder Lockenkopf anders ist und das, was bei mir funktionieren mag, bei euch vielleicht überhaupt nichts taugt. Das ist aber gar nicht schlimm, denn es gibt so viele Dinge, die man ausprobieren kann, dass bestimmt auch das richtige für dich dabei ist. Ich werde euch zudem immer mal wieder ein paar weiterführende Links nennen, wo ihr euch noch viel mehr Tipps und Tricks für den Umgang mit Locken holen könnt. 

»Glätte deine Locken, und du wirst für einen Tag glücklich sein.
Lerne, deine Locken zu lieben und zu pflegen, und du wirst dein Leben lang glücklich sein.«

– Lorraine Massey

Wie alles begann

Letztes Jahr habe ich damit begonnen, meine Haarpflegeprodukte bezüglich der Inhaltsstoffe umzustellen. Ich wollte keine Silikone, keine Parabene und wenn möglich auch keine Sulfate mehr verwenden. Grund für dieses Umdenken war der Zero Waste Gedanke. Da in vielen verpackungsfreien Haarprodukten diese Inhaltsstoffe nicht enthalten sind, wollte ich meine Haare langsam umgewöhnen. Ich kaufe meine Produkte auch jetzt nach wie vor in der Verpackung, verwende also noch keine Haarseifen und Conditionarbars, aber immerhin achte ich darauf, dass die Verpackung aus Recyclingmaterial besteht und auch rezyklierbar ist. Und was nicht ist, kann ja noch werden.
Durch diese Umstellung bemerkte ich allerdings einige Veränderungen in meinem Haar. In der ersten Phase hatte ich ganz klar das Gefühl von Stroh auf dem Kopf, meine Haare mussten sich erst einmal daran gewöhne, dass sie nicht mehr mit Silikon ummantelt werden und so standen sie einfach mal wild in alle Himmelsrichtungen. Ziemlich schnell merkte ich jedoch, dass meine Haare nicht mehr so schnell nachfetteten. Durch die schonendere Reinigung ohne Sulfate trocknete die Kopfhaut weniger aus, ich hatte nicht mehr so ein Jucken auf dem Kopf. Und da die Haare befreit von Silikonen waren, konnten sie das von der Kopfhaut produzierte Sebum auch wirklich aufnehmen, anstatt dass es sich wie ein zusätzlicher Film um die Haare gelegt hat. Ich wasche meine Haare nun also nur noch zweimal in der Woche. Das ist richtig wenig im Vergleich zu vorher, wo ich meine Haare täglich wusch.
Der einzige Nachteil an der ganzen Sache ist, dass ich meine Shampoos nicht mehr beim Detailhändler um die Ecke einkaufen kann. Und dabei sind weder die Silikone noch die Parabene das Problem, sondern die Sulfate, die waschaktiven Substanzen. Beim Detailhändler mit dem grossen M (alle Schweizer*innen wissen jetzt, welches Geschäft gemeint ist) gibt es abgesehen vom Babyshampoo kein einziges ohne Sulfate. Beim Konkurrenten mit dem grossen C sieht es etwas besser aus, da gibt es nämlich jene von Weleda (die mag ich allerdings nicht) oder eine Linie von Maui Moisture, die ohne Sulfate auskommen. Allerdings enthalten die Maui Moisture Produkte wieder andere Inhaltsstoffe, die nicht so das Gelbe vom Ei sind. Leider enthalten auch die meisten Shampoos von Lush Sulfate. Lange nutzte ich darum die Rainforest Linie von Body Shop, allerdings gibt es die bei mir in der Gegend nur noch online zu kaufen. Momentan mag ich die Produkte von Shea Moisture sehr gerne, welche ihr zum Beispiel bei lockenkopf.ch erwerben könnt.

Im Zuge meiner Recherchen nach geeigneten Produkten stiess ich auf ganz viele informative Videos auf YouTube über Lockenpflege. Und mehr als einmal ist das Stichwort Curly Girl Methode gefallen. Schnell habe ich heraus gefunden, dass es dazu ein Handbuch gibt und so habe ich mir dieses kurzerhand bestellt.

Das Curly Girl Handbuch

Das Handbuch ist übersichtlich und einfach zu lesen. Viele Bilder veranschaulichen die unterschiedlichen Lockenarten und die Techniken zur Anwendung der Produkte und für das Styling. Dabei werden die Kapitel entsprechend der Lockentypen unterteilt, so dass jemand mit gewelltem Haar nicht die ganzen Pflege- und Stylingtipps für Afrolocken durchlesen muss.
Das Locken Handbuch bietet also viele Tipps und Tricks zur richtigen Lockenpflege, es sagt, was es zu vermeiden gilt, was ein Lockenkopf für die Pflege seiner Haare benötigt und zeigt auch, wie die Produkte angewendet werden können. Und auch wenn du nicht recht weisst, welcher Lockentyp du bist, zeigt dir das Buch Möglichkeiten, wie du das rausfinden kannst (wobei man auch verschiedene Lockentypen auf ein und dem selben Kopf finden kann). Es gibt auch ein Kapitel darüber, wie du deine eigenen Haarpflegeprodukte herstellen kannst.
Zusätzlich sind in den Seiten verstreut immer mal wieder persönliche Geschichten von Menschen mit Locken zu lesen, wie sie zu ihren Locken gefunden haben. Denn grade Menschen mit gewelltem Haar wissen häufig gar nicht, dass ihre Haare nicht wirklich glatt sind und somit eigentlich auch eine spezielle Pflege benötigten. So erging es beispielsweise auch mir.

Lockenhandbuch_1
Schöne Locken – Das Handbuch | Lorraine Massey | 2015 | mvg Verlag

Die Curly Girl Methode

Auf die Curly Girl Methode selbst möchte ich nur anhand der Basics eingehen, da das sonst einfach zu viel Raum einnehmen würde. Wer gerne mehr erfahren möchte kann sich zum Beispiel auf Elisa’s Blog Natürlich Lockig schlau machen. Sie beschreibt die Methode sehr ausführlich und hat noch viele weitere lesenswerte Beiträge zu bieten, zum Beispiel zu den Themen Inhaltsstoffe oder Haarporosität.
Aber zurück zum Thema. Unabhängig vom Lockentyp gibt es nämlich ein paar Dinge, an die sich alle Curly Girls (und auch Boys übrigens, ich weiss nicht, warum der Name der Methode nicht etwas inklusiver gewählt wurde) halten sollten.

Don’ts:
  1. Verwende keine Shampoos, Conditioner und Stylingprodukte mit starken Reinigungssubstanzen wie Sulfate, vermeide wasserunlösliche Silikone und austrocknende Alkohole. Bezüglich der Inhaltsstoffe sei euch wirklich der Beitrag von Elisa empfohlen, sie geht da sehr detailliert darauf ein.
    Auf der Website Is it CG? könnt ihr übrigens die Inhaltsstoffe eintippen und sehen, ob eure Produkte bereits Curly Girl Approved sind.
  2. Kämme deine Haare so selten wie möglich und wenn dann nur in nassem Zustand und wenn sie mit Conditioner vollgesogen sind. Im Gegensatz zu glatten Haaren bilden sich bei lockigem oder welligem Haar einzelne Haarbündel und wenn du diese nun mit einem Kamm oder einer Bürste bearbeitest, zerteilst du diese Bündel und jedes einzelne Haar dreht sich in eine andere Richtung. Als Folge davon hast du ein Vogelnest auf dem Kopf.
  3. Style deine Haare ohne Hitze, das heisst Glätteisen, Lockenstab oder heisse Föhnluft sind tabu. Am besten lässt du deine Haare Lufttrocknen. Im Winter kann dies aber zu einem Problem werden, darum ist das Föhnen mit einem Diffuseraufsatz und auf kalter bis mittlerer Wärmestufe ok.
Do’s:
  1. Verwende für die Haarwäsche ein mildes Shampoo oder eine leichte Haarspülung oder Reinigungsspülung. Wenn du deine Haare mit Conditioner wäscht nennt sich das Co-Washing (conditioner-washing).
    Ich persönlich mag Co-washing nicht so gerne, da ich schnell das Gefühl habe, meine Haare mit Produkten zu überladen. Ich wasche meine Haare daher mit sehr milden, pflegenden Shampoos. Für sehr krause oder dicke Haare kann dies aber eine tolle Lösung sein.
  2. Verwende nach der Reinigung noch zusätzlich eine Pflegespülung, um dein Haar mit genügend Feuchtigkeit zu versorgen. Dabei knetest du deine Haare sanft Richtung Kopf und drückst sie leicht aus. Hörst du ein schmatzendes Geräusch und fühlen sich deine Haare wie nasses Seegras an, dann hast du genügend Conditioner verwendet und deine Haare konnten die Feuchtigkeit aufnehmen. Auf Englisch nennt sich dies squish to condish. Das ist auch der einzige Zeitpunkt, wo du deine Haare vorsichtig entwirren darfst.
    Je nach Art deiner Haare kannst du die Spülung ganz ausspülen oder du lässt noch einen Rest drin. Meine Haare mögen es nicht so sehr, wenn ich den Conditioner nicht ganz ausspüle, aber für sehr krause Haare kann das wiederum ein wunderbarer Trick sein, die Frizz-Bildung zu minimieren.
  3. Bei der Curly Girl Methode wird nach der Reinigung und Pflege der Haare auch noch Haargel verwendet. Dieser wird meist in das noch tropfend nasse Haar gegeben, um den Locken Halt und Definition zu verleihen. Beim Trocknen bilden die meisten Gele eine harte Schicht, den Gelcast, der sobald das Haar zu 100% trocken ist, wieder herausgeknetet werden kann (scrunch out the crunch). So halten die Locken und bleiben den ganzen Tag über schön definiert.
  4. Nachdem du alle Produkte in deine Haare geknetet hast, kannst du überschüssiges Wasser und Produkt mit einem Mikrofaserhandtuch oder einem alten Baumwollt-shirt rauskneten. Auch hier tust du dies mit dieser Knetbewegung in Richtung Kopfhaut. Rubble deine Haare niemals trocken, denn das führt nur zu Frizz und Haarbruch. Auch die herkömmlichen Frotteehandtücher rauen die Haarstruktur zu sehr auf.
  5. Locken_2Nun lässt du deine Haare entweder Lufttrocknen oder föhnst sie auf der niedrigsten Stufe mit einem Diffuseraufsatz. Achte beim Trocknen egal mit welcher Methode darauf, dass du sorgfältig mit deinen Haaren umgehst und sie nicht zu of anfasst. Auch beim Diffusen gehst du langsam von einer Partie zur nächsten über.
    Wenn deine Haare zu 100% trocken sind, knetest du deinen Gelcast aus et voilà!

Okay, dieser Teil ist jetzt doch etwas ausführlicher geworden, als geplant. Für mehr Tipps und Tricks schaut auch gerne auf YouTube oder Instagram vorbei. Bei Alyson gibt es zum Beispiel ein Diffusiung 101 und auf bei Lulu gibt es viele Tricks für wellige bis lockige Haare.

Was nehme ich aus dem ganzen Experiment mit?

Während vier Wochen pflege und style ich meine Haare nun schon anhand der Curly Girl Methode und ich möchte nicht mehr zurück zu vorher. Meine Haare fühlen sich einfach gesünder an. Und aus meinen komischen, undefinierten Wellen sind teilweise richtig kringelige Locken geworden, die sich übrigens, nun da sie mit genügend Feuchtigkeit versorgt werden, auch bilden ohne dass ich eine Menge Produkte rein knete.
Ich habe auch gemerkt, dass ich meine Haare zwar mit genügend Conditioner und ab und an einer Haarmaske versorgen darf, diese Produkte aber auch wieder vollständig ausspülen sollte, da sich meine Haare sonst einfach zu schwer anfühlen. Gleich verhält es sich mit den Stylingprodukten, auch da darf ich nicht zu viel verwenden, da ich sonst mein Haargefühl nicht mehr mag. Bei diesem trockenen, kalten Wetter verwende ich übrigens sehr gerne Leinsamengel mit etwas Agavennektar für mehr Halt. Ein Rezept dazu findet ihr auch auf Elisa’s Blog.
Es stimmt also: Lerne deine Locken zu lieben und du wirst ein Leben lang glücklich sein. Es macht Spass sich jedesmal aufs neue überraschen zu lassen, wie die Locken wohl fallen und was man alles damit anstellen kann. Solltet ihr euch unsicher sein, ob eure Haare vielleicht auch wellig sind, dann probiert es doch einfach mal aus. Es schadet den Haaren nicht und eine Umstellung auf Silikon- und Parabenfreie Produkte ist auch aus Umwelttechnischen Gründen nur zu empfehlen.
Der einzige Nachteil der Methode: Sie ist vor allem zu Beginn sehr Zeitintensiv. Vor einem Frühdienst tue ich mir das Prozedere gar nicht erst an, da werden die Haare mit einem Invisibobbel einfach mal schnell in einen Messybun gesteckt. Ich schlafe da lieber eine halbe Stunde länger. Und auch auf Reisen sehe ich noch nicht ganz, wie ich alles umsetzen könnte. Da ist man ja doch Platzmässig stark eingeschränkt. Allerdings sind Naturlocken halt wie der Name schon sagt, Natur pur und so dürfen sie auch einmal etwas frizziger sein und so springen, wie sie gerade wollen. Es muss ja nicht immer alles perfekt sein.

Kennt ihr die Curly Girl Methode bereits? Wäre diese Methode vielleicht etwas für euch? Oder wie pflegt ihr eure Naturlocken?


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