Quicktipp | Paulo Coelho – Die Spionin

Die Spionin | Paulo Coelho | November 2016 | Diogenes | 192 Seiten

 

»Wir alle wissen, dass ich nicht wegen dieser dummen Behauptung, spioniert zu haben, verurteilt wurde, sondern weil ich beschlossen habe, die zu sein, die ich immer zu sein geträumt habe – und einen Traum zu verwirklichen hat immer seinen Preis.«(S.74)

Mata Hari, geboren als Margarethe Zelle, wächst 1876 in der holländischen Provinz auf. Bereits mit 19 Jahren heiratet sie, um der Einöde zu entfliehen, einen wesentlich älteren Offizier aus Niederländisch-Ostindien und erlebt mit ihm im vermeintlichen Paradies ihre persönliche Hölle auf Erden. Er schlägt, vergewaltigt und demütigt sie. Zurück in Holland, beschliesst sie, ihre Vergangenheit hinter sich zu lassen und reist Anfang des 20. Jahrhunderts nach Paris, dem europäischen Zentrum für Kunst und Vergnügen.Beinahe mittellos hat sie zunächst nur eine vage Vorstellung davon, wie sie sich ihren Lebensunterhalt verdient. Doch schon bald macht sie als exotische Tänzerin und Meisterin der effeuillage von sich reden. Sie verkehrt in den höchsten Kreisen und verdreht so manchem einflussreichen Mann den Kopf.
Nach Ausbruch des 1. Weltkrieges lässt sie sich auf ein gefährliches Doppelspiel ein und wird schliesslich des Hochverrates angeklagt und zum Tode verurteilt. Am frühen Morgen des 15. Oktobers 1917 wird sie von einem Exekutionskommando erschossen.

Mit dieser Szene beginnt auch gleich das nur ca. 180 Seiten dicke Büchlein und nimmt einem sogleich mit auf eine Reise in die Vergangenheit und ins Paris zur Zeit der Weltausstellung.
Und Paulo Coelho versteht es, Geschichten zu erzählen, die bewegen und den Leser in neue Gedankenwelten entführen. So auch hier. Mata Hari wird als eine Frau dargestellt, die mutig ihren Weg geht, ohne zu wissen, wie ihr nächster Schritt aussehen wird, die sich immer wieder neu erfindet und nie stehen bleibt und dem Vergangenen hinter her trauert. Trotzdem gelingt es Coelho auch die verletzliche und gebrochene Seite dieser Kämpferin zu zeigen. Denn das jähe Ende ihrer Kindheit durch den Bankrott des Vaters, oder die sexuellen Missbräuche und Demütigungen in ihrer Ehe sind nicht spurlos an ihr vorüber gegangen. Und es wäre nicht Paulo Coelho, wenn nicht auch ein paar philosophische und fast schon esoterische Gedanken mit drin wären.

»Doch was heute geschieht, geschah auch schon gestern und wird morgen wieder geschehen und bis ans Ende der Zeit – es sei denn, der Mensch begreift, dass nicht nur wichtig ist, was er denkt, sondern vor allem, was er fühlt.« (S.166)

Der Roman wurde in Briefform verfasst, so erzählt Mata Hari dem Leser in einem langen Abschiedsbrief ihr Leben gleich selbst. Dabei gefiel mir die Sprache und die Wortwahl besonders gut. Sie ist sehr authentisch, erstens für die damalige Zeit und zweitens, passt sie ebenfalls zum Charakter der Erzählerin.
In einem zweiten Brief zum Schluss des Buches, lässt Coelho auch den Anwalt Mata Haris zu Wort kommen und offenbart so eine objektivere Perspektive auf die ganzen Vorwürfe und Prozesse, denn diesbezüglich bleibt Mata Hari in ihrer Erzählung sehr vage.

Und obwohl ich dieses Büchlein innerhalb von wenigen Stunden durch gelesen habe, konnte ich mich ab und zu des Eindrucks nicht erwehren, dass Mata Hari nicht nur diese mutige Kämpferin war, wie sie Coelho darstellt. Oftmals erschien sie mir auch reichlich naiv und nicht interessiert am politischen Geschehen um sie herum. Als sich ihre Karriere als Tänzerin dem Ende zu neigte und sie sich als Spionin verdingte, glaube ich nicht, dass sie wusste, auf was sie sich einliess, sondern vielmehr nach einemLese-Tipp neuen Nervenkitzel, einem aufregendem, alles andere als langweiligen Leben suchte.

Nichts desto trotz bietet Die Spionin von Paulo Coelho einen schönen und gekonnten Einblick in das frühe 20. Jahrhundert und in das Leben einer der schillerndsten Frauenfiguren der damaligen Zeit. Die Spionin ist ein inspirierender Roman und Ermutigung zugleich, unbeirrt seinen Weg zu gehen.

Weitere Meinungen

»Die Spionin hat mich umgehauen und mir gezeigt, dass Paulo Coehlo auch fernab seiner spirituell angehauchten Bücher ein absolut meisterhafter Autor ist. Die Wertschätzung, mit der er an die Charakterisierung Mata Haris herangeht, ist auf jeder Seite spürbar und sorgt dafür, dass man während der Lektüre des Romans das Gefühl hat, in Mata Haris Kopf zu blicken.« – Ninespo


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7 Kommentare zu „Quicktipp | Paulo Coelho – Die Spionin

    1. Du hast es auch schon gelesen?, Läck bisch du schnell… :)
      Ich fands‘ erstaunlich gut, nicht ganz so esoterisch, wie andere Werke von ihm.

      Gefällt mir

  1. Hallo Daniela,

    auch nochmal hier: Vielen lieben Dank fürs gegenseitige Verlinken. Deine Rezension spricht mir aus der Seele. Vor allem der Punkt, dass Mata Hari ein Stück weit gar nicht bewusst war, was sie tat. Im Buch bekommt man durchaus auch das Gefühl, dass sie da einfach reingerutscht ist und dann versuchte, das Beste aus ihrer Situation zu machen.

    Ich wünsche dir noch angenehme Ostern!
    Liebe Grüße
    Nina

    Gefällt 1 Person

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