Rezension | VOX – oder wie einer tollen Geschichte nach der Hälfte die Worte ausgehen

VOX | Christina Dalcher | aus dem Amerikanischen von Susanne Aeckerle und Marion Balkenhol | S. Fischer Verlag | August 2018 | 403 Seiten

»Ich rede mir ein, dass es nicht meine Schuld war. Ich habe Myers nicht gewählt. Ich habe überhaupt nicht gewählt, um die Wahrheit zu sagen. Und hier höre ich wieder Jackie, die mir vorwirft, ein fügsamer Trottel zu sein.«
– VOX, S. 107-108

Stellt euch eine Welt vor, in der Frauen nur 100 Wörter am Tag sprechen dürfen, da sie sonst mit schmerzhaften Stromschlägen bestraft werden.
Stellt euch vor, an jeder Strassenecke, in jedem Supermarkt stehen Überwachungskameras, die jede noch so kleine Bewegung registrieren und auf ihren Anteil an Kommunikation überprüfen.
Stellt euch vor, Jungs und Mädchen werden getrennt unterrichtet und den Mädchen wird nicht einmal mehr lesen und rechnen beigebracht.
Das klingt gruselig, nicht? Ist aber die Realität von Jean McClellan und allen anderen Frauen und Mädchen in VOX.

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Rezension | Der englische Liebhaber – oder wenn Erwartungen unerfüllt bleiben

Der englische Liebhaber | Federica de Cesco | Juni 2018 | Europa Verlag | 360 Seiten
Bei diesem Buch handelt es sich um ein Leseexemplar. Meine ehrliche Meinung wurde davon nicht beeinflusst.

»Heute weiss ich auch, dass wir Frauen nie mehr diejenigen geworden sind, die wir vor dem Krieg waren. Frauen, die sich wochenlang mit Schwielen an den Händen, Blasen an den Füssen und steifen Gelenken einen Weg durch den Schutt freigeschaufelt hatten, die sich Lumpen statt Monatsbinden in den Schlüpfer stopfen mussten – solche Frauen lassen sich nicht mehr bevormunden. Es gibt eine Redensart: Der Krieg stärkt die Nylonstrümpfe und die Frauen. Und sollten wir dir am Ende noch danken, Adolf, du Hurensohn?« – S. 136

Jeder von uns hatte sie, die Helden seiner Jugendtage. Bei manchen war es eine ganz spezielle Band, ein anderer verehrte einen Sportler und ich vergötterte eine Autorin. Schon damals war ich ein Bücherwurm durch und durch. Alles was ich von Federica de Cesco in die Finger bekam wurde gelesen, ich wusste, was mich erwartete und ich liebte sie dafür. Fremde Kulturen und Völker, starke Protagonistinnen und Geschichten, die so spannend waren, dass ich das Buch nicht mehr aus den Händen legen konnte. Bis ich irgendwann dachte „Nun bist du zu alt für ihre Bücher“.
Erst letztes Jahr entdeckte ich sie wieder und tauchte mit Die Traumjägerin erneut ein in fremde und seltene Kulturen und war geflasht, wusste wieder, warum ich sie vor etlichen Jahren so vergötterte. Und natürlich hoffte ich bei ihrem neuen Titel Der englische Liebhaber auf das selbe überwältigende Gefühl.

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Blogtour | Ein Jahr Kopfkino – Lesevergnügen in Spielfilmlänge [Werbung]

Ich bin ganz stolz, darf ich Teil der wunderbaren Aktion 1 Jahr Kopfkino sein und euch sowohl den Verlag mit seinem Konzept und ein Werk aus dem Programm vorstellen. Das ganze Jahr hindurch werdet ihr immer wieder auf verschiedenen Blogs Artikel und Buchvorstellungen finden. Diese Beiträge werde ich euch auch verlinken, so dass ihr etwas stöbern gehen könnt.

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Rezension | Stephen King – In einer kleinen Stadt

In einer kleinen Stadt | Stephen King | aus dem Amerikanischen von Christel Wiemken | September 2009 (Erstausgabe 1991) | Heyne Verlag | 880 Seiten

 

»Die Zeiten änderten sich, ebenso die Methoden; auch die Gesichter. Aber wenn die Gesichter ein Bedürfnis hatten, dann waren es immer die gleichen, die Gesichter von Schafen, die ihren Hirten verloren haben, und es war diese Art des Geschäftemachens, die ihm am meisten lag, bei der er sich vorkam wie der wandernde Hausierer von einst, nicht hinter einem eleganten Tresen mit einer Sweda-Registrierkasse, sondern hinter einem schlichten Holztisch, wo er das Wechselgeld aus einer Zigarrenkiste herausgab und ihnen immer wieder denselben Gegenstand verkaufte.« (S. 684)

Kurz zum Inhalt

In Castle Rock, einer verschlafenen Kleinstadt, die eingefleischte King Leser*innen bereits in und auswendig kennen dürften, eröffnet ein merkwürdiges Geschäft. Es trägt den Namen „Needful Things“ und keiner kann sich etwas darunter vorstellen. Trotzdem – oder gerade deswegen – wird der Laden rege besucht und jeder scheint das Ding seiner Träume zu finden. Doch in diesem Geschäft wird nicht nur mit Geld bezahlt, der Inhaber Mr. Leland Gaunt scheint die Sehnsüchte und Schwächen jedes Einzelnen genau zu kennen und so werden die begehrten Dinge mit Streichen bezahlt. Langsam aber sicher hetzt Mr. Gaunt die Einwohner von Castle Rock gegeneinander auf bis hin zum Supergau. Nur wenige scheinen gegen seinen Zauber immun zu sein…

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