Quicktipp | Drei Tage im August – von vielen Protagonisten und fehlenden Handlungsbögen

»Was hatte ich mir nur gedacht, wie hatte ich mir das vorgestellt? Am Ende würde doch alles auf meine Kosten gehen. Die Kosten einer Frau sind immer höher als die eines Mannes, so jedenfalls war es zu meiner Zeit, und ich fürchte, es ist dabei geblieben. Wir Frauen sollten das nicht vergessen.«

– S. 285

Drei Tage im August | Anne Stern | August 2022 | Aufbau Taschenbuch | 352 Seiten
Leseexemplar

Es ist der 5. August 1936 in Berlin. Unter den Linden in der Chocolaterie Sawade merkt man zwischen den süssen Köstlichkeiten, Trüffeln und Pralinen nicht viel vom sich anbahnenden Krieg. Elfie und ihre Kollegin Trude können hier ein wenig der Unmenschlichkeit der Zeit entfliehen.
Direkt über dem Laden lebt die alte Madame Conte, die Elfie mit einer Bestellung Pralinen zu sich bittet und ihr ein Geheimnis über eine stürmische Liebe und eine köstliche Praline anvertraut. In der gleichen Strasse leben auch der jüdische Buchhändler Franz und der Barbesitzer Issa, um die sich die Geschichte ebenfalls dreht.

Drei Tage im August hatte es nicht ganz leicht mit mir. Wie man an der knappen Inhaltsangabe bereits erkennen kann, gab es in diesem Buch keinen eigentlichen Handlungsbogen. Vielmehr wurde episodenhaft aus dem Leben verschiedener Personen während dieser drei Tage im August erzählt, die unter den Linden wohnen oder arbeiten. Mal erfährt man so etwas von Elfie, mal kommt Franz zu Wort oder Issa und noch ein paar mehr. Einige der Schicksale überkreuzen sich oder laufen auf einander zu, andere wirken wie eingestreut und hingeworfen.
Das mag durchaus seinen Reiz haben, nur leider bin ich wohl mit völlig falschen Erwartungen an das Buch ran gegangen. Ich hatte auf eine spannende Geschichte um die Chocolaterie während des zweiten Weltkriegs gehofft und so war ich dann doch ein wenig enttäuscht. Es wollte sich kein rechter Lesefluss einstellen bei mir, so dass ich fast zwei Monate an der Geschichte rumknabberte.
Dem Buch zugute halten muss man allerdings den wunderbaren Schreibstil von Anne Stern. Sie vermag es die Chocolaterie zum Leben zu erwecken, so dass ich ein genaues Bild von der Einrichtung und den süssen Köstlichkeiten vor meinem inneren Auge hatte. Man spürt die Liebe zum Detail und die gründliche Recherche zu den verschiedenen Themen auf jeder Seite. Und das konnte mich durchaus begeistern. Die Handlungsorte werden liebevoll zum Leben erweckt, der Berliner Dialekt gekonnt eingebunden und die Erinnerung an jüdische Künstler und die einfache Menschen hochgehalten.

Nichts desto Trotz konnte mich das Buch halt einfach nicht ganz abholen. Dieses Gefühl zu begründen ist ganz schwierig. Ich vermute stark, dass es an der Episodenhaftigkeit liegt. Da ich das Buch nicht an einem Stück lesen konnte, wusste ich bei einem neuen Kapitel nie so ganz, was mich erwartet, wo ich mich grad befinde und wer erzählt. Mir hat wirklich der Handlungsbogen und das Verbindende ein wenig gefehlt, das Ziel der Geschichte sozusagen. Darum gibt es von mir nur eine bedingte Leseempfehlung.

Weitere Meinungen

»Ich bin sehr froh, auf das Buch aufmerksam geworden zu sein und kann es jedem, der sich mit der Thematik auseinandersetzen möchte nur empfehlen. Es wird auch ganz bestimmt nicht mein letztes Buch von Anne Stern gewesen sein, denn der Erzählstil hat mich sehr bewegt und für sich einnehmen können. «- Zeilentänzer

»Ich war von Anfang an sehr gespannt auf Anne Sterns Roman – und wurde nicht enttäuscht. Die Figuren sind liebevoll gezeichnet, ihre Geschichten tiefgründig und teils tragisch. Doch trotz einer gewissen Melancholie steckt Hoffnung in den Zeilen und die Gewissheit, dass es auch in schwierigen Zeiten Momente des Glücks gibt. Ich habe den Roman sehr gern gelesen und möchte ihn gern empfehlen.« – Von Buch zu Buch

»Anne Stern konnte mich mit ihrem neuesten Roman nicht ganz überzeugen. Ich mag ihre Serie rund um die Hebamme Fräulein Gold sehr gerne und hatte mir hier Ähnliches erhofft. Leider war dem nicht so.« – Claudias Bücherhöhle


Beim Hinterlassen eines Kommentars erklärt ihr euch damit einverstanden, dass Personenbezogene Daten wie eure IP-Adressen und ggf. der (Nutzer-) Name, die E-Mail Adresse und eure Website-Url erhoben und gespeichert werden.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..