Quicktipp | Die Wunderfrauen – ab in die 70er Jahre

»Sie wollte Leben, nicht sterben. Und wenn es zu Ende ging, brauchte sie keinen Rat, keine Hilfe und keine Zuversicht. Alles sollte bis zuletzt so sein wie immer. Otto wusste als Einziger davon, und er war an die Schweigepflicht gebunden.
Am nächsten Morgen war alles wie immer. Der Tag brach an, stellte sie vor Herausforderungen, und Helga stürzte sich hinein.«

– S. 240

Die Wunderfrauen – Freiheit im Angebot | Stephanie Schuster | August 2021 | S.Fischer Verlage | 432 Seiten
Leseexemplar

Im letzten Band der Wunderfrauen-Trilogie begleiten wir Luise, Helga, Marie und Annabel in den 70er Jahren und erleben so manches Abenteuer mit ihnen. Nicht nur steht Luises Tante Emma Laden kurz vor der Schliessung, auch ihre Ehe ist kurz vor dem Scheitern. Alles, was sie und Hans noch verbindet, sind die Kinder. Währenddessen baut Marie den Brandstetterhof zu einem Reiterhof um und findet in der Versorgung der Tiere und den Reitstunden Halt und Kraft. Helga träumt indes von einer eigenen Frauenarztpraxis und setzt alles daran, diesen Traum zu verwirklichen. Kurz nach der Eröffnung ereilt auch sie eine Nachricht, die ihr ganzes Leben umkrempelt. Und Annabel setzt ihren detektivischen Spürsinn ein und erforscht die Firmengeschichte der Löw-Werke und entdeckt dabei immer mehr Ungereimtheiten in der Familiengeschichte ihres Mannes, die mit dem NS-Regime zusammenhängen.

Um es grad vorne weg zu nehmen, für mich ist dieser dritte Teil leider der Schwächste der ganzen Reihe. Die unendlichen Möglichkeiten die die 70er Jahre geboten hätten, werden nicht im Ansatz genutzt. Stattdessen werden grad zu Beginn viele Themen aus den vorherigen Bänden aufgewärmt, was dann doch ein wenig langweilig und zermürbend zu lesen ist. Ich hatte teilweise das Gefühl, auf der Stelle zu treten und nicht wirklich voran zu kommen. So gab es immer wieder einmal eine Lesepause für mich.
Etwas meine Mühe hatte ich auch mit den vielen Themen, die dieses Buch anschneidet. Es scheint, als wollte die Autorin möglichst viel in die Geschichte packen. Es werden nicht nur Themen aus den vorherigen Bänden aufgewärmt, sondern auch eine Reihe neuer angeschnitten, wie zum Beispiel Brustkrebs, Scheidung oder eine Flucht aus Ostberlin. Leider geschieht dies alles nur sehr oberflächlich. Helgas Brustkrebserkrankung beispielsweise hatte für mein dafür halten absolut keinen Einfluss auf die Handlung. Lange erzählt sie es nicht einmal ihren Freundinnen und als sie es dann doch tut, ist es in wenigen Sätzen und Abschnitten abgehakt. Auch Luises Scheidung wird nur in wenigen Abschnitten erwähnt. Doch grad dieses Thema und der aufkommende Feminismus/Emanzipation hätten so viele Möglichkeiten geboten.

Natürlich gibt es auch tolle Momente, wie die gemeinsame Reise nach Paris oder das Hoffest auf dem Reiterhof von Marie, die ein grosses Loblied auf die Freundschaft singen. Und auch die Olympischen Spiele 1972, die ja ganz in der Nähe ausgetragen werden, tragen viel zu einem authentischen Zeitgefühl bei.

Nichts desto trotz hinterlässt diese Themenfülle und Oberflächlichkeit nach den zwei tollen Vorgängern ein wenig ein schales Gefühl und eine kleine Enttäuschung. Auch wenn ich hier jetzt meckere, über alle drei Bände gesehen, ist die Wunderfrauen-Trilogie einfach nur wunderbar, toll und authentisch erzählt. Und ich würde sie jedem sehr empfehlen, der auf der Suche nach Wohlfühlliteratur ist, gerne historisch angehauchte Romane liest und auch einmal etwas über das Leben von vier unterschiedlichen Frauen lesen möchte. Ich mag die Reihe unglaublich gerne.

Die Reihe

Alles, was das Herz begehrt | Von allem nur das Beste | Freiheit im Angebot

Weitere Meinungen

»Ich empfand den dritten Teil der „Wunderfrauen“-Serie eigentlich noch nicht als abschließend, denn ich könnte mir eine weitere Fortsetzung sehr gut vorstellen. Jede der Frauen kann stolz auf ihre Kinder und damit auf ihre erzieherischen Fähigkeiten sein. Es wäre schön, wenn es einen weiteren Band geben würde, denn ich möchte gerne erfahren, was die älter werdenden Freundinnen und ihre Söhne und Töchter erleben. Gerne vergebe ich eine Leseempfehlung für den Roman.« Buchsichten

»Der Charme der Buchreihe ist auch in Band 3 wieder bezaubernd. Durch die Schwierigkeiten, die alle Frauen durchleben und die heiklen Familiengeschichten, die es aufzuklären gilt, verliert der Roman im Gegensatz zu Band 1 und 2 jedoch ein wenig an seiner Leichtigkeit und blieb mir etwas zu oberflächlich. Die herrlich nostalgische Trilogie hat mir insgesamt jedoch sehr gut gefallen – schade, dass die Reise in die Vergangenheit damit nun zu Ende ist.«Lenas Bücherlounge


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2 Kommentare zu „Quicktipp | Die Wunderfrauen – ab in die 70er Jahre

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