Schweizer Buchpreis 2021 | Diese Bücher gibt es zu entdecken

Alle Jahre wieder gibt es hier auf dem Blog die Nominierten des Schweizer Buchpreises zu entdecken. Dieses Jahr wird der Schweizer Buchpreis bereits zum 14. Mal verliehen. Zusammen mit dem Verein Literatur Basel zeichnet der Schweizer Buchhändler und Verleger Verband jährlich das beste erzählerische oder essayistische deutschsprachige Werk von Schweizer oder in der Schweiz lebenden deutschsprachigen Autor*innen aus.
Das erklärte Ziel des Preises ist es, den Nominierten die grösstmögliche Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit zu verschaffen und so die deutschsprachige Schweizer Literatur bis über die Landesgrenzen hinaus bekannt zu machen.
Diesem Ziel schliesse ich mich doch gerne an und erzähle euch, welche Bücher es dieses Jahr auf die Shortlist des Schweizer Buchpreises geschafft haben.

Die Erfindung des Ungehorsam von Martina Clavadetscher, Unionsverlag

Hitze, Regen, beißender Gestank. Iris tigert in Manhattan durch ihr Penthouse und wartet voller Ungeduld auf die nächste Dinnerparty, die ihr wieder ein wenig Leben einhaucht. Ling, angestellt in einer Sexpuppenfabrik im Südosten Chinas, kontrolliert künstliche Frauenkörper auf Herstellungsfehler, bevor sie sich abends bei Filmklassikern in ihre Einsamkeit zurückzieht. Und im alten, düsteren Europa folgt Ada ihren mathematischen Obsessionen, träumt von Berechnungen und neuartigen Maschinen, das Ungeheuerliche stets im Kopf.

Drei Frauen in drei Welten: Sie alle sind auf der Suche nach einer Antwort – nach dem Kern der Dinge. Und sie alle sind, ohne es zu ahnen, miteinander verbunden. (Quelle: Unionsverlag)

Was der Fall ist von Thomas Duarte, Lenos

Ein Mann erscheint mitten in der Nacht auf einem Polizeiposten und erzählt, wie sein bislang eintöniges Leben aus den Fugen geraten ist. Jahrzehntelang hat er für einen wohltätigen Verein gearbeitet, jetzt wird er plötzlich wegen Unregelmässigkeiten bei der Geldvergabe verdächtigt. Und nicht nur das: Im Hinterzimmer seines Büros, in dem er zeitweise selbst hauste, lässt er neuerdings die illegal arbeitende Putzfrau Mira wohnen. In seinem wahnwitzigen Bericht, dessen Charme und Menschlichkeit aber selbst den Polizisten nicht kaltlassen, entsteht das Portrait eines modernen Antihelden, der einen überraschend fröhlichen Nihilismus zum Besten gibt.

Thomas Duartes Debütroman ist ein skurriles Erzählfeuerwerk, eine melancholisch-humoristische Poetik des Scheiterns. Er wird bevölkert von kauzigen Figuren, die auf vielfältige Weise die Absurdität der Lebens- und Arbeitsbedingungen in unserer kapitalistischen Leistungsgesellschaft spiegeln. (Quelle: Lenos)

Eurotrash von Christian Kracht, Kiepenheuer & Witsch

»Also, ich musste wieder auf ein paar Tage nach Zürich. Es war ganz schrecklich. Aus Nervosität darüber hatte ich mich das gesamte verlängerte Wochenende über so unwohl gefühlt, dass ich unter starker Verstopfung litt. Dazu muss ich sagen, dass ich vor einem Vierteljahrhundert eine Geschichte geschrieben hatte, die ich aus irgendeinem Grund, der mir nun nicht mehr einfällt, ›Faserland‹ genannt hatte. Es endet in Zürich, sozusagen auf dem Zürichsee, relativ traumatisch.«

Christian Krachts lange erwarteter neuer Roman beginnt mit einer Erinnerung: vor 25 Jahren irrte in »Faserland« ein namenloser Ich-Erzähler (war es Christian Kracht?) durch ein von allen Geistern verlassenes Deutschland, von Sylt bis über die Schweizer Grenze nach Zürich. In »Eurotrash« geht derselbe Erzähler erneut auf eine Reise – diesmal nicht nur ins Innere des eigenen Ichs, sondern in die Abgründe der eigenen Familie, deren Geschichte sich auf tragische, komische und bisweilen spektakuläre Weise immer wieder mit der Geschichte dieses Landes kreuzt. »Eurotrash« ist ein berührendes Meisterwerk von existentieller Wucht und sarkastischem Humor. (Quelle: KiWi)

Feuerland von Michael Hugentobler, dtv

Die wahre, weltumspannende Geschichte eines einzigartigen Buchs

Thomas Bridges wächst als Ziehsohn eines britischen Missionars am südlichen Ende Südamerikas auf, unter den Kindern der Yamana. Fasziniert von der reichen Welt und Sprache dieses Volkes, beginnt er, obsessiv ihre Wörter aufzuschreiben. Diese wertvolle Sammlung, sein Buch, wird ihm Jahrzehnte später gestohlen und fällt dem deutschen Völkerkundler Ferdinand Hestermann in die Hände. Hestermann spürt, dass er es mit einem einmaligen Schatz zu tun hat. Er verschreibt ihm sein Leben. Als in den 1930er Jahren die Nationalsozialisten beginnen, Bibliotheken zu plündern, begibt er sich auf eine gefährliche Reise, um das Buch in Sicherheit zu bringen. (Quelle: dtv)

Grösser als Du von Veronika Sutter, Edition 8

Sie heissen Gloria, Helen oder Gino. Sie leben mit einem Geheimnis, weil Scham oder Verleugnung sie daran hindern, über das zu sprechen, was hinter ihren Wohnungstüren passiert. Ohne es zu wissen, teilen sie die Erfahrung von Abhängigkeit, Gewalt und Unterdrückung. Sie stehen aber auch in Beziehung zueinander, ob als (Ex-)Partner, Freundinnen, Nachbarn oder Verwandte. Sie biegen sich ihre Realität zurecht, um ihr Verhalten zu rechtfertigen, sei es despotisch, übergriffig oder duldsam.

„Grösser als du“ erzählt ihre Geschichten aus unterschiedlichen Perspektiven und zu verschiedenen Zeitpunkten ihrer Biografie. Spuren, welche die unguten Verbindungen hinterlassen, scheinen ebenso auf wie skurrile Momente, etwa als die dominante Mutter des gehemmten Präparators Alexander mit dem Gesicht in der Suppe ihren Geist aufgibt. Manchmal ist es eine unverhoffte Wendung, die eine Befreiung möglich macht, manchmal sind es schonungslose Einsicht und der Glaube an eine Liebe, die weder besitzen noch unterwerfen will.

»Es ist doch vorstellbar, dass es etwas gibt, das ziemlich gross und ziemlich gut ist«, sagt Huali in der Titelgeschichte. Für Caro ist dieses Grosse der Moment der Versöhnung mit dem, was sie getan hat. Und auch Alexander, Leni oder Ursula finden einen Weg in die Selbstbestimmung. Für Gloria und andere wiederum geben die zwei grossen Frauenstreiks in der Schweiz den Anstoss zu handeln. In den Jahren zwischen 1991 und 2019 spielen auch die 16 Erzählungen in diesem Buch. (Quelle: Edition 8)

Interessant klingt irgendwie jedes dieser Bücher, auf seine Art und Weise. Bei Eurotrash kann ich mir vorstellen, dass es von Vorteil ist, Faserland zu kennen, da es ja daran anknüpfen soll. Martina Clavadetscher ist nach 2017 bereits zum zweiten Mal unter den Nominierten zu finden. Vielleicht wäre das endlich mal ein Grund, eines ihrer Bücher zu lesen. Wobei mich da dann Knochenlieder aus dem Jahr 2017 thematisch doch mehr reizen würde. Ansonsten entsprechen Feuerland und Grösser als Du wohl am ehesten meinem Beuteschema. Ob ich jedoch die Zeit und Muse finden werde, eines der Bücher zu lesen, ist noch nicht sicher. Auf meinem Wunschzettel stehen sie aber mit Sicherheit ziemlich weit oben.

Welche Bücher der Shortlist des Schweizer Buchpreises sprechen euch grad spontan an? Verratet es mir doch in den Kommentaren.


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Ein Kommentar zu „Schweizer Buchpreis 2021 | Diese Bücher gibt es zu entdecken

  1. Hallo liebe Daniela

    Die verschiedenen Buchpreise verfolge ich mal so, mal so mit, aber mir ist trotzdem nicht entgangen, welche Bücher auf der Long- und Shortlist stehen. „Eurotrash“ habe ich meinem Bruder zum Geburtstag geschenkt, damit ich es mir nachher von ihm borgen kann ;-)

    Spontan spricht mich zudem „Die Erfindung des Ungehorsams“ an. Mal sehen, was ich dann noch alles für mich entdecken werde, aber du hast ja eine tolle Übersicht erstellt, die ich dann bei Bedarf wieder konsultieren werde.

    Alles Liebe an dich
    Livia

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