Quicktipp | Die Verlorenen – manchmal muss man neue Wege gehen

»Als Jonah das Blut roch, war ihm klar, dass er in Schwierigkeiten steckte.«

– 1. Satz, S.9

Die Verlornenen | Simon Beckett | Juli 2021 | aus dem Englischen von Karen Witthuhn und Sabine Längsfeld | Wunderlich Verlag | 416 Seiten

Simon Beckett gehört mittlerweile zu jenen Autoren, deren Bücher ich ohne nachzudenken kaufe. Wie bei so vielen hat meine Liebe zu seinen Büchern mit Die Chemie des Todes begonnen und auch wenn mich nicht alle seiner Geschichten gleichermassen packen und begeistern konnten, so ist er doch immer ein Garant für spannende Thriller und Kriminalromane.
Und so war es gar keine Frage, dass auch der Auftakt seiner neuen Reihe in meinem Bücherregal landen würde.

Jonah Colley ist Polizist bei der Metropolitan Police in London und bereits 16 Jahre im Dienst. Bei einem Feierabendbier mit seinen Kollegen, erhält er plötzlich einen Anruf seines ehemaligen besten Freundes Gavin, der ihn in ein altes Lagerhaus am Slaughter Quay bestellt. Neugierig geworden beschliesst Jonah an den Treffpunkt zu fahren. Dort erwartet ihn allerdings das Grauen. Neben seinem niedergeschlagenen Freund findet Jonah nämlich drei weitere Tote, fein säuberlich in Plastikfolie eingewickelt. Als er sie näher inspiziert, stellt er fest, dass eine davon noch am Leben ist. Als er Hilfe holen will, wird er von einem Unbekannten überwältigt und bewusstlos geschlagen.
Als er wieder zu sich kommt, liegt Jonah im Krankenhaus und muss den Ermittlern Red und Antwort stehen. Schon bald merkt er, dass niemand ihm glauben schenkt und nimmt die Ermittlungen selbst in die Hand. Nach kurzer Zeit nimmt der Fall eine deutlich persönlichere Wendung, als ihm lieb ist. Aus irgendeinem Grund scheinen nämlich die Ereignisse der Gegenwart mit dem verschwinden seines vierjährigen Sohnes Theo vor zehn Jahren zusammenzuhängen…

Wie wir es uns von Simon Beckett gewöhnt sind, wird nicht lange gefackelt. Bereits nach wenigen Seiten sind wir mitten in der Story drin und die Ereignisse folgen rasant aufeinander. Der Schreibstil bietet genügend Beschreibungen, um die gewohnt düstere Atmosphäre zu kreieren, verliert sich aber auch nicht in Details, so dass stets die Spannung gewahrt bleibt. Besonders auch der Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart bringt eine interessante Dynamik in die Geschichte. Das, was wir von Beckett kennen und lieben, bekommen wir auch in Die Verlorenen geliefert. Und das zieht mit.

Etwas weniger gelungen finde ich dann die Entwicklung nicht nur des eigentlichen Falles der Leichen im Lagerhaus, sondern auch jene der Kindsentführung in der Vergangenheit. Es gibt da ein paar unglaubwürdige und suspekte Wendungen, bei denen ich mir nicht vorstellen kann, dass sie wirklich so passieren können. Zudem waren die Tatmotive dann doch ein wenig verwirrend. Ich glaube, da wurden bereits ein paar Weichen für die Folgebände gelegt.

Auch hätte ich mir gewünscht, dass Jonah Colley mal nicht einer jener kaputten Polizisten ist, deren einziger Lebensinhalt die Arbeit darstellt. Denn genau so ist es, nachdem sein Sohn verschwunden ist, zerbricht nicht nur seine Ehe, sondern auch all seine Freundschaften. Wenn auch auf seine Weise sympathisch, so ist Jonah seelisch doch ein Wrack.

Fazit

Nach sechs spannenden Bänden mit David Hunter, ist es für Simon Beckett Zeit, neue Wege zu gehen. Der Auftakt zu einer tollen Reihe mit Jonah Colley als Ermittler sind gelegt. Vor allem die ersten Kapitel von Die Verlorenen haben es wahrlich in sich. Die düstere Atmosphäre in Kombination mit der dramatischen Story entfalten eine regelrechte Sogwirkung. Auch wenn für mich am Ende nicht ganz alles aufgegangen ist, so bekommt man hier als Beckett Fan doch alles, was man sich wünschen kann.

Weitere Meinungen

»Der neue Beckett hat mir trotz kleiner Kritik sehr gut gefallen! Ich mag einfach den Stil des Autors und den bekommt man auch in „Die Verlorenen“. Grundsätzlich finde ich es immer schade, wenn Ermittler der Typ „einsamer Wolf“ sind, bezeichnet vom Leben und auf sich gestellt. Aber auch das ist wohl eher subjektives Empfinden. Ich bin gespannt, wie die Reihe weitergeht – eine Frage ist nämlich noch offen geblieben…«Von Buch zu Buch

»In seinem Thriller „Die Verlorenen“ lässt Simon Beckett Jonah Colley ermitteln, ein Mitglied des bewaffneten Eliteteams der Met, sympathisch und mit vielen Ecken und Kanten versehen. Der komplexe Thriller ist durchgehend spannend. Zum Schluss bleiben Fragen offen, die einer Klärung in der Fortsetzung bedürfen, auf die ich mich schon sehr freue. Klare Leseempfehlung an Thrillerfans!«Buchsichten

»“Die Verlorenen” ist in meinen Augen ein etwas durchwachsener Auftakt für diese Reihe um Jonah Colley, über den man als Leser:in zwar einiges erfährt, allerdings auf Kosten einer stimmig erzählten Geschichte. Das Hörbuch wird wie immer exzellent von Johannes Steck gelesen und verdient sich dadurch einen dritten Stern.« Leseratz


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Ein Kommentar zu „Quicktipp | Die Verlorenen – manchmal muss man neue Wege gehen

  1. Liebe Daniela

    Ich glaube, ich habe bei dir einmal kommentiert, dass ich noch nie etwas von Simon Beckett gelesen habe, das stimmt aber gar nicht, habe ich bemerkt… Ich habe nämlich „Obsession“ von ihm gelesen und war alles andere als begeistert…

    Ich werde Simon Beckett aber definitiv mal noch eine Chance geben.

    Alles Liebe an dich
    Livia

    Gefällt mir

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