Rezension | Paracelsus – zwischen Pest und Götterbeschwörung

»Paracelsus schwieg. Darauf gab es keine Antwort. Er hatte Astaroth gewählt. Und Caspar dafür zurückgelassen. Das hier sollte die Summe seiner Rechnung sein: Er war allein.«

– S.352

Paracelsus – Die Fragen der Toten | Eva-Isabel Schmid | Mai 2021 | Piper Verlag | 368 Seiten
*Leseexemplar

Endlich finde ich die Muse, mich hinzusetzen und den zweiten Teil der Paracelsus Dilogie von Eva-Isabel Schmid zu rezensieren. Gelesen habe ich Die Fragen der Toten nämlich bereits vor mehr als einem Monat. Und so viel vorne weg, es ist ein toller Nachfolger, der so einige Überraschungen aber auch die ein oder andere Enttäuschung in Petto hat.

Kurz zum Inhalt

Der junge Paracelsus ist endlich Arzt beider Arzneien. Eines aber lässt ihm keine Ruhe: Er will die menschliche Seele finden. Verfolgt vom uralten Zauberorden des roten Gürtels begibt er sich auf Wanderschaft – quer durch Europa. Immer mit dem Ziel, das Geheimnis doch noch zu lüften. Währenddessen wütet in Basel die Pest. Paracelsus’ Freund Caspar muss als Stadtarzt hilflos mitansehen, wie die Seuche Hunderte seiner Patienten dahinrafft.
Als sich der nunmehr berühmte Paracelsus zurück in seine Heimat wagt, kommt es im allgemeinen Chaos plötzlich zu einer Reihe von mysteriösen Todesfällen. Verzweifelt sucht Caspar nach dem Mörder. Die ungleiche Freundschaft wird auf ihre größte Zerreißprobe gestellt. (Quelle: Piper)

Zwei Handlungsstränge

Die Handlung von Die Fragen der Toten setzt einige Zeit nach dem ersten Band ein. Paracelsus ist mittlerweile Arzt beider Arzneien, die Suche nach den unsterblichen Seelen hat er dennoch nicht aufgegeben. Treu an seiner Seite steht Simon, der damals mit ihm über den Gotthard geflohen ist. Und so verfolgen wir in einem Handlungsstrang Paracelsus‘ Odyssee durch die Städte Europas, gleichermassen auf der Suche nach den Seelen, wie auf der Flucht vor Astaroths Orden.

Der andere Handlungsstrang widmet sich der Stadt Basel, sowie Caspar und Jacob Göttisheim. Caspar ist inzwischen Basels Stadtarzt und sieht sich mit einer Pestepidemie konfrontiert. Während er hilflos gegen die Krankheit ankämpft, sieht sich Jacob Göttisheim politischen und religiösen Dünkeln gegenüber, die eine wirkungsvolle Bekämpfung der Pest behindern.
Und wie bereits im ersten Band, vermochte mich auch nun die Geschichte um die Stadt Basel mehr zu packen, als die Handlung um Paracelsus selbst. Ob dies nun positiv oder negativ ist, sei dahin gestellt. Auf jeden Fall hat sich Eva-Isabel Schmid bei der Recherche ganz viel Zeit genommen, um die Umstände und Emotionen auch möglichst authentisch wiederzugeben. Und dieses stimmige Bild des mittelalterlichen Basels ist das grosse Plus der Paracelsus Dilogie.

Wenig Entwicklung bei den Figuren

Nicht nur auf das tolle Setting und die authentische Atmosphäre habe ich mich vor der Lektüre gefreut, sondern auch auf so ein paar liebgewonnene Charaktere. Jacob, Caspar oder Margarete sind die Sympathieträger der Geschichte, ganz im Gegensatz zu Paracelsus oder Simon. In Punkto Charakterentwicklung kam ich aber leider in diesem Teil der Dilogie nicht auf meine Kosten. Die Hauptfiguren schienen merkwürdig festgefahren in ihren Handlungsweisen und Ansichten und auch meine Vermutungen nach Band 1 in Bezug auf Simon bewahrheiteten sich ganz und gar. Und wer jetzt denkt „Nicht so schlimm, bestimmt sind noch ein paar Figuren dazugekommen“, der liegt auch falsch. Die Autorin legt in Die Fragen der Toten keine neuen, handlungsrelevanten Charaktere an, was äusserst schade ist. Sie verspielt so nicht nur den ein oder anderen Überraschungsmoment, sondern verpasst es auch, der Geschichte etwas Frische einzuhauchen.

»Mit dir mordend durch die Gassen ziehen? Menschen auflauere, wie ein Tier auf der Jagd? Und sie abschlachte, als wären sie nur für mich gemacht? Unsere Aufgabe ist es, Leben zu bewahren, und nicht, es zu nehmen! Und nicht, es zu schänden! Nichts hast du gelernt von mir.«

– S. 304

Fulminantes Finale

Die Handlung ist über weite Strecken spannend und abwechslungsreich und das Aufeinandertreffen der beiden Handlungsstränge mündet in einem grossen, fulminanten Finale. Die Ereignisse überschlagen sich noch einmal, was bei mir zeitweise für ein wenig Verwirrung und Durcheinander gesorgt hat. Das ganze esoterische Geschwurbsel über Astaroth und die Seelen tut noch das seinige zu der ganzen Sache. Aber das ist mein ganz persönlicher Geschmack, mir sagt das einfach nicht so zu. Mit ein Grund, warum ich Paulo Coelho nicht mehr lesen mag. Aber das ist eine andere Baustelle.

Fazit

Auch mit dem zweiten Teil der Paracelsus Dilogie Die Fragen der Toten von Eva-Isabel Schmid habe ich mich bestens unterhalten gefühlt. Der Roman vermag mit seiner authentischen Atmosphäre und der Geschichte rund um die Stadt Basel zu glänzen. Man merkt, wie viele Stunden Recherche in diesen Teil des Buches geflossen sind.
Allerdings war mir die Suche nach den Seelen – wie bereits in Band 1 – ein wenig zu esoterisch. Und auch ein wenig mehr Wissen über die mittelalterliche Medizin hätten in dieses Buch gedurft. Aber alles in allem ist die Paracelsus Dilogie eine Runde Sache, die ich allen Liebhabern des Genres ohne schlechtes Gewissen empfehlen kann.

Die Reihe

Auf der Suche nach den unsterblichen Seelen | Die Fragen der Toten

Weitere Meinungen

»„Paracelsus – Die Fragen der Toten“ schließt die Dilogie um den berühmten Arzt gut ab. Dabei brilliert der Roman vor allem aufgrund des tollen Settings, starker Charaktere und der spannenden Geschichte um die Stadt Basel, während gelegentlich die Handlung etwas zu sehr ins Esoterische abdriftet. Für Liebhaber des Genres – und vor allem Leser des ersten Bandes – bedenkenlos zu empfehlen.«Zwischen Buchdeckeln

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Bei diesem Buch handelt es sich um ein Rezensionsexemplar aus dem Piper Verlag. In meiner Rezension gebe ich dennoch meine ehrliche Meinung und meinen Leseeindruck wieder.

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