Rezension | Paracelsus – von politischen Intrigen, mittelalterlicher Medizin und okkulten Riten

»Mein Vater ist weg. Meine Schwester weint pausenlos. Bluttaten werden nicht mehr gesühnt in dieser Stadt. Ein toter Metzger und ein paar Halbwaisen kümmern niemanden mehr, und mir wurde verboten, nach dem Mörder zu suchen. Wann habt ihr euch das letzte Mal aus Frust besoffen? Heute ist der richtige Abend dazu!«

– S.227

Paracelsus – Auf der Suche nach der unsterblichen Seele | Eva-Isabel Schmid | November 2020 | Piper Verlag | 440 Seiten
*Leseexemplar

Das erste Buch, welches ich im neuen Jahr beendet habe, ist das Debüt von Eva-Isabel Schmid. Paracelsus – auf der Suche nach der unsterblichen Seele ist der erste Band einer Dilogie um den berühmten Arzt. Und eines kann ich bereits vorneweg nehmen, die Lektüre ist unterhaltsam, authentisch und ab einem gewissen Punkt auch äusserst spannend, wer sich aber auf eine Geschichte à la Game of Thrones oder Der Medicus freut, der wird hiervon enttäuscht werden.

Kurz zum Inhalt

Basel im Spätmittelalter auf dem Sprung zur Renaissance. Der junge Medizinstudent Paracelsus und sein Freund Caspar erhalten von der katholischen Kirche eine Sondergenehmigung zum Sezieren von Leichen. Zu nur einem Zweck: Sie sollen die Existenz der menschlichen Seele beweisen. Als der grausame neue Bischof die Macht erlangt, werden die beiden der Ketzerei beschuldigt. Ihre Forschung wird verboten. Während Caspar sein Leben nun der Medizin widmet, wendet sich der ehrgeizige Paracelsus dem Okkultismus zu. Die zwei Freunde finden sich gefangen in einem Netz aus Inquisition, politischen Intrigen und einem blutigen Bürgerkrieg. (Quelle: Piper)

Gelungene Figuren, authentische Atmosphäre

Wie bereits ganz zu Beginn angedeutet, ist der erste Teil der Paracelsus Dilogie durchaus gelungen, hat aber dennoch ein paar kleine Schwächen. Aber Beginnen wir doch einfach von vorne. Die Autorin hat es nämlich geschafft, mich ins mittelalterliche Basel zu entführen. Dabei schildert sie das Leben, das Studium und die Konflikte zwischen der katholischen Kirche und den aufkommenden Reformationsgedanken auf eine sehr authentische und detailverliebte Weise. Ich möchte mich jetzt nicht so weit aus dem Fenster lehnen und behaupten, diese Schilderungen seien absolut authentisch, dafür bin ich zu wenig Expertin für mittelalterliches Leben. Allerdings wird für mein Empfinden doch eine sehr mittelalterliche Atmosphäre kreiert, die weder beschönigt noch glorifiziert.
Damit einher gehen auch die Protagonisten der Geschichte, die äusserst liebevoll gezeichnet sind. Und auch wenn mir Paracelsus einiges abverlangte – ich finde ihn keinen sympathischen Zeitgenossen und würde wohl nicht seine Freundin sein wollen – so passt er halt doch in dieses Kaleidoskop aus unterschiedlichen Charakteren. Besonders einige der Nebencharaktere haben es mir angetan. Jacob Göttisheim, der Dekan der medizinischen Fakultät beispielsweise überraschte mich durch seine Charakterstärke und wie er sich für seine Familie und Studenten einsetzt. Sein Sohn Laurencz sorgt mit seinem losen Mundwerk für den ein oder anderen Lacher, treibt die Geschichte aber auch voran und gibt ihr ein bisschen etwas Unbeschwertes. Die Entwicklung von Simon vom grauen Mäuschen hin zum beinahe fanatischen Jünger Paracelsus‘ bereitete mir hingegen ein wenig Bauchschmerzen. Ich fürchte im zweiten Band könnte von ihm noch die ein oder andere unliebsame Überraschung ausgehen.

»Ihr wollt die Stadtregierung stürzen? Das ist Wahnsinn«, murmelte Göttisheim in die Runde.
»Wahnsinn ist, sich nicht zu wehren!«, rief Konrad Egg von den Schneidern. »Gerade Ihr solltet doch als Erster Interesse daran haben.«

– S.148

Politik versus Medizin

Die Handlung selbst ist ebenfalls spannend und abwechslungsreich und wird uns in mehreren Erzählsträngen geschildert. Das ermöglicht unterschiedliche Blickwinkel auf das Zeitgeschehen, so dass man als Leser*in einen guten Rundumblick bekommt. Durch die unterschiedlichen Perspektiven kann die Autorin uns allerdings auch verschiedene Themengebiete nahe bringen. Während sich Paracelsus den Kranken und der Suche nach den Seelen widmet, erhaschen wir mit Jacob Göttisheim einen Blick in die Politik der damaligen Zeit. Und ich muss gestehen, die Zerrissenheit Basels, die politischen Intrigen und der von den Zünftern geplante Sturz der Regierung konnten viel mehr mein Interesse wecken, als der Okkultismus dem sich Paracelsus hingab. In diesen politischen Diskussionen schafft es Eva-Isabel Schmid nämlich auch so richtig Spannung aufzubauen und reale historische Ereignisse in ihre Romanhandlung einzuflechten.
Für meinen Geschmack kam auch die ganze Medizin etwas zu kurz in diesem Buch. Abgesehen von ein paar wenigen Sequenzen, in denen Paracelsus Kranke behandelt, kriegen wir nicht viel zu lesen von seinen Erkenntnissen und Entdeckungen. Vielmehr verstrickt sich Paracelsus in okkulten Riten und Götterbeschwörungen um die menschliche Seele zu finden. Per se nicht uninteressant, für mich allerdings etwas am Thema vorbei.

Fazit

Mit Paracelsus – Auf der Suche nach der unsterblichen Seele ist Eva-Isabel Schmid ein kurzweiliges Debüt und ein gelungener Reihenauftakt geglückt. Besonders begeistern vermochte mich das mittelalterliche Setting, das von der Autorin auch authentisch beschrieben wird und einige der Nebencharaktere, die meiner Meinung nach eine spannendere Entwicklung durchlaufen als Paracelsus selbst. Überhaupt vermochten mich die Nebenhandlungen mehr zu packen, als die Suche nach den unsterblichen Seelen von Paracelsus. Ich weiss jetzt nicht, ob dies ein Pluspunkt für das Buch ist, oder eher nachdenklich machen sollte, da die Haupthandlung nicht interessant genug ist…
Wie dem auch sei, alles in allem ist der Auftakt in die Paracelsus Dilogie gelungen und die Geschichte und vor allem die Entwicklung der Figuren machen Lust auf Teil 2, der noch diesen Frühling erscheint.

Die Reihe

Auf der Suche nach der unsterblichen Seele | Die Fragen der Toten

Weitere Meinungen

»Der Roman ist, wie gesagt, sehr unterhaltsam und ich freue mich schon auf den Nachfolgeband der 2021 erscheinen soll.« – Karminrotes Lesezimmer

»Mein Fazit? „Paracelsus – Auf der Suche nach der unsterblichen Seele“ ist ein gelungenes Debüt, das vor allem durch ein wunderbares Setting und tolle Charaktere glänzt. Trotz kleinerer Schwächen bedenkenlos für Liebhaber historischer Romane zu empfehlen« – Zwischen Buchdeckeln

»Trotz allen Kritikpunkten hat mir der Roman sehr gut gefallen. Ich warte gespannt auf den nächsten Teil der als Dilogie angelegten Reihe um einen Mediziner, der mit seinen Forschungen einen Meilenstein in der Medizin-Geschichte gesetzt hat. Ich hoffe jedoch, dass im nächsten Buch etwas mehr auf eben diese Medizin eingegangen wird.« – Meggies Fussnoten


Bei diesem Buch handelt es sich um ein Rezensionsexemplar aus dem Piper Verlag. In meiner Rezension gebe ich dennoch meine ehrliche Meinung und meinen Leseeindruck wieder.

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