Rezension | Tödliche Sonate – der erste Fall für Commissario Di Bernardo

»Vergessen Sie nicht, dass die meisten Menschen noch nie mit einem Mord in Berührung gekommen sind. Ziehen Sie deshalb keine voreiligen Schlüsse aus ihrem Verhalten.«

– S. 42-43

Tödliche Sonate | Natasha Korsakova | Heyne | Oktober 2018 | 448 Seiten
*Leseexemplar

Ein brutaler Mord erschüttert die ewige Stadt, die mächtige und gefürchtete Musikagentin Cornelia Giordano wurde brutal ermordet. Der Questore erwartet eine schnelle Lösung des Falls von Commissario Di Bernardo, der sich so zum ersten Mal an seinem neuen Arbeitsplatz in Rom Beweisen muss. Ohne die geringste Ahnung von klassischer Musik begibt er sich mit seinem Team in die Welt von Oper, Wundergeigern und Musikagenten. Schnell zeigt sich, dass Cornelia Giordano alles andere als beliebt gewesen ist, auch ihre Familienverhältnisse scheinen kompliziert. Und was hat eigentlich die „Messias“, diese legendäre Geige von Antonio Stradivari mit dem ganzen Fall zu tun?

Tödliche Sonate ist ein Krimi, der mich bereits auf den ersten Seiten ins Boot holen konnte. Im Prolog und im ersten Kapitel entführt uns die Autorin nämlich einmal ins Jahr 1716 und dann 2017 – gut 300 Jahre später – in den Kopf des Mörders. Dieser hat den Mord an Cornelia Giordano akribisch geplant und führt ihn nun kaltblütig aus. Tödliche_Sonate_1Erst nach diesen ersten spannenden Seiten lernen wir den Commissario kennen. Und irgendwie war der mir vom ersten Augenblick an sympathisch. Ein bisschen erinnert mich Di Bernardo an Commissario Brunetti aus Venedig, beide lieben gutes Essen und einen richtigen Kaffee. Allerdings ist da auch dieser dezente Hang Di Bernardo’s es mit der Wahrheit nicht immer so genau zu nehmen (je nach dem, wie es den Ermittlungen dienlich ist), was mich wiederum an Commissario Montalbano denken liess. Wie dem auch sei, überaus scharfsinnig und geschickte Kombinierer und Denker sind sie alle drei. 
Ich mag es auch, wie die Autorin immer wieder das Privatleben des Commissarios in die Geschichte mit einflicht. Sein neunmalkluger Tennie-Sohn und die nächtlichen Treffen vor dem Kühlschrank sind irgendwie schon ganz komisch. Immer wieder werden auch traumatische Ereignisse aus der Vergangenheit angedeutet, was Raum und Entwicklung für die Folgebände bietet. Die Bernardo hat sein Päckchen zu tragen, wirkt aber bei weitem nicht so verbraucht, kaputt und desillusioniert wie beispielsweise Kommissar Wallander. 
Auch die Nebencharaktere wirken greifbar und haben eine eigene Persönlichkeit. Da ist der Kaugummi kauende Ispettore Del Pino, die Profilerin Giorgia oder Sergio Granata, ebenfalls Commissario in der Questura. Wirklich beeindruckend ist hier aber das Teamwork. Jeder hat seine Stärken und Schwächen, aber auf seinem Gebiet is er ein Experte und so wird er (oder sie) auch dargestellt und in die Ermittlungen eingebunden. Man arbeitet gemeinsam an dem Fall, jede Meinung, jeder Denkanstoss ist willkommen und nicht immer ist es Di Bernardo, der den entscheidenden Hinweis gibt. 

Del Pino rieb sich zum zweiten Mal an diesem Tag die Hände. Di Bernardo spürte es auch. Die tausend Mosaiksteinchen dieses Falles fielen endlich an ihren richtigen Platz.

– S.394

Der Fall selbst ist spannend konstruiert und ich wusste bis zuletzt nicht, wer denn nun eigentlich der Mörder oder die Mörderin ist. Ermittelt wird im Musikmilieu, wo auch die Autorin und Geigerin Natasha Korsakova zu Hause ist. Man spürt zwischen den Zeilen förmlich, wie sie für die Musik brennt. Ganz oft habe ich in der Lektüre inne gehalten, um die erwähnten Kompositionen zu googeln und zu lauschen. 
Korsakova erzählt ihre Geschichte auf drei Ebenen, ihr Schreibstil ist einfach und geradlinig und lässt sich dadurch leicht und flüssig lesen. Als Leser*in verfolgen wir die Geschichte der legendären „Messias“, einer Geige Stradivaris, durch die Zeit. Wir befinden uns aber auch im Kopf des Mörders und scheinen so dem Ermittlungsteam oftmals einen Schritt voraus und natürlich verfolgen wir auch den Commissario und seine Kollegen bei der Jagd nach dem Mörder. 
Wobei, so eine richtige Jagd war es nicht. Denn auch wenn der Krimi mit seinen unterschiedlichen Ebenen und Handlungssträngen durchaus spannend ist und einem bei der Stange hält, so habe ich doch dieses Gefühl, dass ich das Buch nicht mehr aus den Händen legen wollte, ein wenig vermisst. Anya schreibt in ihrer Rezension sehr passend: »Ich konnte, genau wie der Commissario, den Fall für ein paar Stunden vergessen und das Buch weglegen ohne das Gefühl zu haben, ich müsse dringend weiter lesen.« Grad im Mittelteil hatte die Geschichte die ein oder andere Länge und ich fragte mich ganz oft, welche Rolle diese Geige nun eigentlich noch spielen wird. Gegen Schluss hätte man dann für meinen Geschmack noch ein bisschen am Lautstärkeregler drehen können. Fortissimo!

Fazit

Tödliche Sonate ist wahrlich eingelungenes Debüt, ein grossartiger Reihenauftakt und ein richtiger Geheimtipp. Lese-TippDi Bernardo ist ein toller Commissario mit einer sympathischen Persönlichkeit. Er ist kein Einzelkämpfer, sondern lässt Raum für seine Teamkollegen, was mir richtig gut gefallen hat. 
Auch der Fall an und für sich ist geschickt konstruiert und spielt auf verschiedenen Zeitebenen und unterschiedlichen Perspektiven. Als Leser*in weiss man manchmal mehr als das Ermittlungsteam, was das ganze Buch spannend und unterhaltsam macht. Wobei es für mich gerne noch ein bisschen mehr hätte sein dürfen. Vor allem das Grande Finale war mir zu leise. 
Allerdings ist dies Meckern auf hohem Niveau und so gibt es von mir ganz klar eine Leseempfehlung für Commissario Di Bernardo’s ersten Fall. Das macht Lust auf mehr.

Die Reihe

Tödliche Sonate | Römisches Finale

Weitere Meinungen

»Trotz dieser kleinen Kritik hat mir Tödliche Sonate wirklich gut gefallen. Es konnte mich mit seinem Plot, Di Bernardo als Protagonisten und seinen Ortsbeschreibungen für sich begeistern.«Ninespo

»Stimmiges Debüt, das man mit Wein und klassischer Musik im Hintergrund in aller Ruhe geniessen kann.«Bücher in meiner Hand


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15 Kommentare zu „Rezension | Tödliche Sonate – der erste Fall für Commissario Di Bernardo

  1. Oh je… habe keinen speziellen Lieblingscharakter…
    Es gibt so den einen und anderen Ermittler, den ich gerne mag als Charakter…
    Bernardo Bertini fällt mir da spontan ein… auch Kommisar Adalbert Ignatius Kluftiger fand ich schon toll…
    Zuletzt hab ich die zwei neu entdeckt… Tjark Wolf und Commisaire Albin Leclarc.
    … Hier auf dem Blog folge ich Dir schon länger….auf Instagram erst ganz frisch..

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  2. Oh das hört sich toll an, das muss ich unbedingt lesen oder noch besser hören!
    Puh, für einen Ermittler entscheiden ist schwierig… also ich mag momentan Btuno Courrèges gerne, aber es gibt auch viele andere die ich toll finde…..

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  3. Hey liebe Daniela

    Ich wusste lange nicht, ob das Buch etwas für mich ist, merke es mir aber vor, obwohl ich in letzter Zeit einige Male aufgrund von Längen in diversen Büchern meckern musste (wenn auch – wie du sagst – auf hohem NIveau). Ich höre keine Hörbücher, deshalb nehme ich nicht an der Verlosung teil.

    Trotzdem verrate ich dir, dass Kurt Wallander mit Abstand mein liebster Ermittler ist. Und zwar auch in den Filmen (aber nur gespielt vom grandiosen Krister Henrikson). Dies vor allem deshalb, weil ich die Bücher immer kurz vor oder nach meinem Vater gelesen und dann gemeinsam mit ihm diskutiert und auch die meisten Filme mit ihm gesehen habe. Oft spät in die Nacht hinein. Auch jetzt noch bleiben wir wach, wenn ein Wallander über die Mattscheibe flimmert, egal, ob wir den Film schon kennen oder nicht. Solche gemeinsamen Erlebnisse verbinden natürlich und das „Verbrauchte, Kaputte und Desillusionierte“ gefällt mir so gut an Wallander (neben seiner Vorliebe für italienische Opern), es macht ihn so überaus menschlich, zumal er ein grandioser Ermittler ist und auch komplett verkatert noch entscheidende Hinweise entdecken oder geben kann.

    Bevor ich nun komplett ins Schwärmen gerate lasse ich das einmal sein und wünsche dir ganz einen guten Start in die Woche
    Livia

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    1. Ich mag Wallander ja auch sehr gerne, das „Verbraucht, kaputt und desillusioniert“ sollte nicht negativ rüber kommen. Das gehört zu Wallander und so mögen wir ihn.
      Eine zeitlang hatte ich einfach das Gefühl, jeder Ermittler musste so sein wie Wallander und das ging mir gehörig auf den Keks. Darum wollte ich das hier auch explizit erwähnen, Di Bernardo hat zwar sein Päckchen zu tragen, ist aber kein zweiter Wallander. :)

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      1. Ja dann, liebe Daniela, dann ist ja alles gut ;-)

        Aber du hast recht, mir ging das genau so. Fast jeder Ermittler hatte irgendwie eine zerrüttete Familie, ein fragwürdiges Verhältnis zu Suchtmitteln (und Frauen) und eine teilweise skurrile Weltanschauung. Das ist mir auch aufgefallen.

        Das hat sich vor allem mit den Ermittlerinnen (und auch mit den Autorinnen) verändert, finde ich. Da sind viele neue und spannende Figuren aufgetaucht, die wieder ganz viel Lust auf Krimis machen.

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      1. Hi Daniela,

        ich hab ewig nicht in mein WordPress-Konto geschaut! O: Das nutze ich zum Kommentieren, der Blog hängt aber nicht mehr dran. Deswegen hab ich deinen Kommentar erst jetzt gesehen. Sorry!

        Vielen lieben Dank fürs Verlinken! Ich hab deine Rezension auch eben unter meiner verlinkt. :)
        Ich wünsche dir mit Band 2 ganz viel Spaß.

        Liebe Grüße
        Nina

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