Schweizer Buchpreis 2020 | Diese Bücher sind nominiert

Im September beginnt nicht nur die gemütliche Jahreszeit, die Zeit der goldenen Farben, Kuscheldecken und Kerzen. Es ist auch die grosse Zeit der Buchpreise. Die Shortlist des Deutschen Buchpreises ist bereits bekannt und auch die Nominierten für den Schweizer Buchpreis stehen fest. Die Buchpreisjury begründet ihre Wahl damit, dass die fünf nominierten Bücher sehr unterschiedlich seien und in ihrer Ästhetik eigensinnig und formbewusst. Ich habe mir darum die Bücher einmal etwas genauer angeschaut und stelle sie euch hier kurz vor.

Der Halbbart von Charles Lewisnky, Diogenes

Es ist ein sonderbarer Fremder, der sich eines Tages am Rand des Dorfs einen Unterstand baut. Er hat nur ein halbes Gesicht, die Leute nennen ihn Halbbart. Er muss viel erlebt haben, doch was genau, erzählt er nicht – auch nicht dem jungen Sebi, der doch alles von ihm lernen und wissen möchte.
Der Sebi ist kein Kind mehr, aber auch noch nicht erwachsen. Alle im Dorf glauben, dass er mal ins Kloster geht – nach Einsiedeln, zu den Mönchen, die man im Dorf nicht mehr mag, seit sie willkürlich die Grenze verschieben und die Bauern zur Waldarbeit abkommandieren.
Mit seiner hellen, arglosen Bubenstimme erzählt der Sebi von seinen Erlebnissen in den aufregenden Jahren des frühen 14. Jahrhunderts. Und das Erzählen hilft ihm beim Verstehen. (Quelle: Diogenes)

das alles hier, jetzt von Anna Stern, Elster & Salis

Eine Gruppe von Freunden und der Verlust einer geliebten Person.
»das alles hier, jetzt.« ist ein rasend schönes und zutiefst menschliches Buch über Familie, Freundschaft und Verlust, über das Erinnern und Aufgehen im Anderen, und ein weiterer Meilenstein im Schaffen einer der bemerkenswertesten Autorinnen der Schweiz. (Quelle: Elster & Salis)

Von schlechten Eltern von Tom Kummer, Klett-Cotta

Ein Mann kommt mit seinem Sohn zurück. Er hat seine Frau verloren und eines seiner Kinder in Los Angeles zurückgelassen. Nachts fährt er als Chauffeur durch sein Heimatland, das ihm Himmel und Hölle zugleich ist, auf der Suche nach einem neuen Leben.
Der Erzähler Tom arbeitet als VIP-Fahrer, holt hohe Angestellte von Pharmaunternehmen und Diplomaten vom Flughafen ab und bringt sie nach Zürich oder Bern. Unterwegs durch die Nacht entspinnen sich Dialoge, die von großer Fremdheit und unheimlicher Intimität sind. Währenddessen führen die Gedanken des Fahrers immer auch weg von der Straße, hin zu den Wanderungen mit seinem Vater zum schwarzen Mönch, noch öfter hin zu Nina, seiner verstorbenen Frau. Sie ist Gast auf jeder Fahrt, flüstert ihm ein, zieht ihn hin zu den Narben der Landschaft. Orte, an denen schwere Unfälle geschehen sind, Flugzeugabstürze und andere Machtproben des Schicksals. Morgens nach der Arbeit setzt er sich ans Bett seines schlafenden Sohnes, legt die Hand auf seine Haut, versucht, eine Zukunft zu sehen. Auf dunstverhangenen Straßen nähert sich Tom Kummer auf eindringliche Weise der großen Unbekannten des Lebens: dem Tod. (Quelle: Klett-Cotta)

Der Held von Karl Rühmann, rüffer & rub

2005, in einem Land, in dem von 1990–1995 ein Bürgerkrieg getobt hat: Zwei hohe Offiziere, die einst in derselben Armee gedient, im Krieg aber auf verschiedenen Seiten gekämpft hatten, werden als Kriegsverbrecher angeklagt und an das Internationale Tribunal in Den Haag ausgeliefert. Dort freunden sie sich an, da sie Vieles verbindet: die Vergangenheit, die Sprache, das Alter, nicht zuletzt die drohende Strafe. Der General der siegreichen Partei wird nach fünf Jahren Untersuchungshaft freigesprochen, der Oberst der unterlegenen Partei zu einer langjährigen Strafe verurteilt.
Die Männer schreiben einander Briefe, um die vergangenen Ereignisse einzuordnen und Szenarien für die Zukunft zu entwickeln. Ihre Gedanken kreisen um Schuld und Unschuld, Justiz und Gerechtigkeit. Die Briefe sind Ausdruck der Freundschaft zweier Menschen, die erst im Gefängnis gemerkt haben, dass sie mehr verbindet als trennt.
Ana ist 43 Jahre alt, mit ihrem 12-jährigen Sohn lebt sie nahe dem Dörfchen, in dem sich der General zur Ruhe gesetzt hat. Anas Mann, ein überzeugter Patriot, hat sich 1993 das Leben genommen. Als sich der General, den Ana sehr verehrt, nun in ihrer Nähe niederlässt, bietet sie ihm an, seinen Haushalt zu führen. Heimlich liest sie die Briefe der beiden alten Soldaten und erschrickt, als der Oberst ein Blutbad erwähnt, an dem der General schuld sein soll. Möglicherweise hat er sogar Anas Mann auf dem Gewissen. Ana steht vor einem Dilemma: Wenn sie sich gegen den General wendet, wird sie die Öffentlichkeit gegen sich aufbringen. Denn in dieser instabilen Zeit profitieren viele von einem Helden, den sie für ihre Zwecke nutzen können. (Quelle: rüffer & rub)

Aus der Zuckerfabrik von Dorothee Elmiger, Hanser

‚My skills never end‘ steht auf dem T-Shirt eines Arbeiters, der gerade seinen Lohn ausbezahlt bekommt. Am Strand einer karibischen Insel steht der erste Lottomillionär der Schweiz und blickt aufs Meer hinaus. Nachts drängen sich Ziegen am Bett der Autorin. Dorothee Elmiger folgt den Spuren des Geldes und des Verlangens durch die Jahrhunderte und die Weltgegenden. Sie entwirft Biographien von Mystikerinnen, Unersättlichen, Spielern, Orgiastinnen und Kolonialisten, protokolliert Träume und Fälle von Ekstase und Wahnsinn. Aus der Zuckerfabrik ist die Geschichte einer Recherche, ein Journal voller Beobachtungen, Befragungen und Ermittlungen. Ein Text, der den Blick öffnet für die Komplexität dieser Welt. (Quelle: Hanser)

Ich muss gestehen, in diesem Jahr habe ich meine liebe Mühe mit den nominierten Büchern. Während in vergangenen Jahren noch alle Werke irgendwie spannend und interessant klangen und sich die Sprache, das Geschreibsel gut und flüssig lesen lies, so spricht mich heuer nur wenig an. Ich kann mich mit diesen aussergewöhnlichen stilistischen Formen nicht wirklich anfreunden, finde sie mühsam und stockend zu lesen. Ausserdem bieten sie mir persönlich einen zu grossen Interpretationsspielraum, so dass ich während der Lektüre Angst hätte, wichtige Situationen zu verpassen oder zu überlesen.
Einzig Der Halbbart, der sticht für mein Empfinden aus dieser experimentierfreudigen Masse heraus. Aber vielleicht bin ich da auch etwas voreingenommen, da das Buch bereits bei mir neben dem Bett liegt und ich die ersten Kapitel auch schon gelesen habe.

Was ist euer Gefühl zu den nominierten Büchern? Könnt ihr euch mit diesen aussergewöhnlichen Stilen und Erzählweisen anfreunden?


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Ein Kommentar zu „Schweizer Buchpreis 2020 | Diese Bücher sind nominiert

  1. Liebe Daniela

    Ich bin so froh, dass du immer wieder auf den Schweizer Buchpreis aufmerksam machst. An mir geht der leider immer total vorbei, was mich als Schweizerin schon auch ärgert, weil ich finde, dass es eigentlich ein wenig meine Pflicht wäre, mich damit zu befassen. Aber ich finde es auch schade, dass der Buchpreis in der Schweiz fast gar keine Aufmerksamkeit bekommt und entsprechend auch nicht wirklich viel Bedeutung hat.

    Die Bücher werde ich mir auf jeden Fall einmal näher ansehen.

    Alles Liebe
    Livia

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