Herzensbuch #14 | weil es bewegt und schmerzt

Wir alle haben sie. Bücher, die uns den Atem rauben, die uns träumen lassen und von denen man sich wünscht, sie würden nie enden. Absolut geniale Meisterwerke, die wir immer wieder lesen können und allen und jedem empfehlen, ob er oder sie es hören will oder nicht. Ganz klar, ich spreche von Herzensbüchern.
Genau zu diesen besonderen Geschichten hat sich Janika eine kleine Aktion ausgedacht. Immer am 20. jeden Monats stellt sie in kurzen, knackigen Worten eines ihrer absoluten Lieblingsbücher vor, in der Hoffnung, dass sich diese Liebe verbreitet und solche wunderbaren Bücher mehr Aufmerksamkeit bekommen Diese dürfen auch gerne schon ein paar Jährchen auf dem Buckel haben.

Ich habe mir diesen Monat echt ganz lange überlegt, ob ich das darf, ob ich dieses Buch als ein Herzensbuch bezeichnen soll. Denn irgendwie fühlt es sich ganz falsch an und erstaunlicherweise auch absolut richtig zu gleich. Die Rede ist von:

Ein wenig Leben von Hanya Yanagihara

Inhaltlich geht es um die Lebensgeschichte von vier Freunden. Willem Ragnarsson, Malcolm Irvine, Jean-Baptiste »JB« Marion und Jude St. Francis kennen sich seit dem College und sind bei allen Differenzen und Unterschieden eng miteinander verbunden. Und irgendwie hat jeder sein Päckchen zu tragen.
Herzensbuch_1Ganz klar im Zentrum steht aber Jude. Dessen Leben scheint von Beginn weg verpfuscht, als Findelkind zwischen Mülltonnen entdeckt, verbringt er seine Kindheit im Kloster und in Heimen. Er wurde geschlagen, missbraucht, in einem Keller gefangen gehalten und zur Prostitution gezwungen. Über die Hölle seiner Kindheit und Jugend spricht er nie, möchte am liebsten alles verschliessen und vergessen. Was ihm nur schwer gelingt.

Die Geschichte ist eine emotionale Berg- und Talfahrt, es gibt Höhen, Tiefen und unzählige Schicksalsschläge aber auch ganz viel Liebe, Freundschaft und Hilfsbereitschaft. Es ist ein Buch der kontroversen Themen, der Extreme und nicht alles ist einfach nur uneingeschränkt gut und toll daran. Aber ein gutes Buch zeichnet sich halt eben nicht nur dadurch aus, das es uneingeschränkt gefällt, sondern vielmehr auch durch seine Fähigkeit etwas in uns auszulösen. Ein gutes Buch darf unangenehm sein, darf einem an Grenzen bringen und darüber hinaus. Und genau das hat Ein wenig Leben mit mir gemacht, es hat mich mitgerissen, aufgewühlt, mir Bauchschmerzen bereitet und mich bis in meine Träume begleitet. Im Guten wie im Schlechten.
Ja, Ein wenig Leben handelt von schweren Themen, von Missbrauch, Gewalt und schweren psychischen Traumata. Immer wieder ist da aber auch ganz viel Liebe, Freundschaft und Hilfsbereitschaft, was einem für die beim Lesen durchlittenen Qualen entschädigt. Und darum ist es halt doch irgendwie ein Herzensbuch für mich.

»Wir brauchten mehrere Tage, um ihn zu lesen, denn obwohl er nicht lang war, war er zugleich endlos, und wir mussten immer wieder die Seiten niederlegen und uns von ihnen entfernen, um uns dann gegenseitig zu wappnen – Bist du bereit? – uns hinzusetzen und ein weiteres Stück zu lesen.«
EIN WENIG LEBEN, S.956


Beim Hinterlassen eines Kommentars erklärt ihr euch damit einverstanden, dass Personenbezogene Daten wie eure IP-Adressen und ggf. der (Nutzer-) Name, die E-Mail Adresse und eure Website-Url erhoben und gespeichert werden.

Verfasst von

Ich liebe Bücher, Katzen und Menschen. Und zwar in dieser Reihenfolge. Ausserdem koche und backe ich sehr gerne und liebe es auf Entdeckungsreise zu gehen.

9 Kommentare zu „Herzensbuch #14 | weil es bewegt und schmerzt

  1. Liebe Daniela,

    Da hast du dir diesen Monat ein Buch rausgesucht, mit dem ich schon eine ganze Weile liebäugle, weil ich so viel Gutes darüber gehört habe. Nun ist es noch ein Stückchen höher auf der Wunschliste gelandet.
    Schön, dass du dabei bist :)

    Liebe Grüsse
    Janika

    Gefällt 1 Person

    1. Liebe Janika

      Es ist vor allem ein sehr kontroverses und extremes Buch und wahrscheinlich auch weit davon entfernt, perfekt zu sein. Aber es ist ein Buch das bewegt und schmerzt und einfach nur eine Leseerfahrung ist.

      Grüessli, Daniela

      Liken

  2. Gelesen habe ich das Buch bisher nicht, weiß von meiner Mama aber, dass sie immer wieder längere Pausen machen musste, um das Gelesene zu verarbeiten. Ich glaube, für das Buch muss man in der Verfassung sein. Ich finde es aber toll, dass du auch gerade ein solches Buch mit sehr schweren Themen zu deinen Herzensbüchern zählen kannst!

    Liken

    1. Ich weiss noch, dass ich ab einem gewissen Punkt nicht mehr aufhören konnte zu lesen, weil ich so süchtig war nach der Geschichte. Das Buch verlangt seinen Leser*innen definitiv einiges ab, danach ist man erst einmal ausgelaugt und hat das Gefühl, dass einfach nichts dieser Geschichte das Wasser reichen kann.

      Grüessli, Daniela

      Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.