Rezension | Das Flüstern der Magie – oder nur nicht zu viel nachdenken

»Ich liebte diesen Duft und diesen Laden, denn er war erfüllt vom Flüstern der Magie, das die meiste Zeit leise und sanft erklang wie das Rauschen des Meeres. Aber wenn ein Unwetter aufzog, konnten aus den sanftesten Wogen tödliche Wellen heranwachsen, die einen mit sich rissen.«
– S.63

Laura Kneidl | Das Flüstern der Magie | Mai 2020 | Piper Verlag | 389 Seiten

Ich habe lange mit mir gerungen, ob ich diese Rezension überhaupt tippen soll, weil meine Gefühle für dieses Buch irgendwie nur ganz schwer einzuordnen sind. Denn auf der einen Seite mochte ich die Geschichte und ihren Drive, auf der anderen Seite stehen aber auch ganz viele Dinge, die ich vermisst oder die mich gar gestört haben. Aber beginnen wir von vorne.

Darum geht’s

Fallon entstammt dem alten Geschlecht der Archivare und hört das Flüstern der Magie. Das heisst, sie hört magische Gegenstände wortwörtlich flüstern und murmeln und muss diese aufspüren, um sie in ihrem magischen Archive sicher zu verwahren. Diese machen den Menschen sonst über kurz oder lang nur Ärger.
Eines Nachts lernt sie Reed kennen, mit dem sie etwas zu verbinden scheint. Als er sie aber hintergeht und ein Set Tarotkarten aus dem Archiv stiehlt, steht nicht nur Fallons Job auf dem Spiel, sondern auch die Sicherheit von Edinburgh.

Viel Drive & ein tolles Setting

Das Flüstern der Magie beginnt äusserst vielversprechend, denn Laura Kneidl schafft es wunderbar, mich bei der Stange zu halten. Ich lese Seite um Seite und mag das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen. Die Geschichte ist nämlich von der ersten Seite an spannend und das liegt nicht nur an dem wunderbar leichten, flüssigen Schreibstil der Autorin. Den der Einstieg in das Setting und die Welt der Archivare lässt sich sehr einfach und zügig lesen. Bereits nach den ersten paar Seiten wusste ich Bescheid über Fallon, ihren Job, das Archiv, Edinburgh und ihre etwas komplizierte Familie. Und Reed begegnete sie ebenfalls in den ersten Kapiteln. Ich habe es also wirklich genossen, mal ein Buch zu lesen, dass ohne langes, langweiliges Vorgeplänkel auskam und die Erklärungen gleich in die Handlung miteinschloss. Ich wollte mehr, mehr Tiefe, mehr Spannung, mehr Gefühle. Aber leider ist es anders gekommen.

Das_Flüstern_der_Magie_1Wenn alles nur an der Oberfläche kratzt

Tja, das mit dem Mehr konnte mir Laura Kneidl leider nicht bieten, sie kratzt meiner Meinung nach überall nur an der Oberfläche. Was als Einstieg echt toll ist, weil es wie gesagt nicht langweilig und überladen wirkt, lässt die Geschichte aber auf Dauer etwas oberflächlich und wenig durchdacht erscheinen. Anstatt uns Leser*innen nach und nach mit weiteren Informationen zur Welt und den Figuren zu versorgen und uns so noch mehr in das magische Edinburgh zu ziehen, lässt uns die Autorin diesbezüglich einfach auf dem Trockenen sitzen.

Grad in Bezug auf die im Buch angesprochene Magie hatte ich stellenweise ganz grosse Fragezeichen, die über meinem Kopf blinkten. Da gibt es diese tollen und überaus fantasievollen, magischen Gegenstände – einen Mantel, der das Aussehen und die Stimme so tarnt, dass der Träger (oder wie im Buch, die Trägerin) unerkannt bleiben kann, oder eine Schreibfeder, die dir alles herzaubern kann, was du aufschreibst (aber Achtung! sie nimmt so einiges wortwörtlich) – aber woher diese Magie kommt, wie sie genau funktioniert oder warum genau diese Gegenstände magisch sind, wird nicht wirklich erklärt. Nicht, dass ich für alles eine Erklärung bis ins kleinste Detail erwarte, aber etwas mehr als „Das ist einfach so.“ darf es schon sein. Und gewisse Dinge dürfen auch von den Protagonisten einmal hinterfragt werden, aber da kam auch nichts von Fallon’s Seite her.

»Wie so oft, wenn es um Magie ging, hatte ich keine Ahnung, wie genau es funktionierte, aber egal wo ich den Teppich ausrollte, jedes Mal lag derselbe Raum darunter.«
– S.69

 

Blasse Geschichte, blasse Figuren & eine platte Liebesgeschichte

Es ist also nicht wirklich verwunderlich, dass bei einer eher oberflächlichen Geschichte auch die Protagonisten nicht wirklich mit Tiefgang zu glänzen wissen. Weder Reed noch Fallon sind Persönlichkeiten, die einem im Gedächtnis bleiben. Vielleicht mag das auch damit zusammenhängen, dass ich viele ihrer Handlungen nicht ganz nachvollziehen konnte.
Fallon war mir beispielsweise zu sprunghaft und in ihren Handlungen auch nicht wirklich konsequent. Im einen Moment jagt sie Reed zu Teufel und im nächsten erzählt sie ihm von der Magie. Oder wie sie mit Reeds Verrat umgeht, scheint mir auch nicht ganz logisch.
Aber auch mit Reed wurde ich nicht warm, da ich ihn noch weniger zu fassen bekam, als Fallon. Was macht ihn aus? Welches sind seine vorherrschenden Charaktereigenschaften? Ich vermag es nicht zu sagen.
Von der Liebelei der beiden beginne ich jetzt gar nicht erst. Mir war jedenfalls schleierhaft, wie die beiden so schnell im Bett landen konnten. Hormone vielleicht. Von gegenseitiger Anziehung und dem berühmten Knistern habe ich herzlich wenig mitbekommen.

Das_Flüstern_der_Magie_2

Fazit

Ohje! Diese Rezension artete nun beinahe in einem Rant aus, dabei wollte ich das gar nicht. GeschmacksacheDen Das Flüstern der Magie ist durchaus unterhaltsam zu lesen und perfekt um den Kopf auszuschalten. Wobei das mit dem Kopf ausschalten wohl doch eher wörtlich genommen werden sollte. Es ist nicht wirklich ratsam die Handlung zu hinterfragen. Am besten macht man es wohl wie Fallon, einfach alles hinnehmen wie es ist und nicht zu sehr darüber nachdenken. Und dann unterhält die Lektüre auch einfach herrlich!

Weitere Meinungen

»Eine unterhaltsame Geschichte, die den Leser von der ersten Seite mitreißt und durch die Seiten fliegen lässt. Der rasante Erzählstil macht Spaß, führt allerdings auch dazu, dass die Figuren etwas blass wirken und der Leser mit einigen Fragezeichen zur Handlung zurückbleibt.« Zeilenwanderer

»All meiner Kritik zum Trotz, ist Das Flüstern der Magie ein schöner New Adult Roman, der mal einen ganz anderen Fokus setzt, als bisherige Romane, die ich dazu gelesen habe. Wer über die Geschwindigkeit des Beziehungsaufbaus der beiden hinweg sehen kann und sich von Anfang an bewusst macht, dass hier eher inaktiv Magie gewoben wird, wird viel Freude an dem Roman haben.« Vielleicht aber doch

»“Das Flüstern der Magie“ ist für mich eines von Laura Kneidls besseren Büchern, aber umgehauen hat es mich leider auch nicht. Zwar war die Handlung rasant und actionreich, aber dafür blieben der Weltenbau und die Figuren etwas flach.« Traumrealistin


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Verfasst von

Ich liebe Bücher, Katzen und Menschen. Und zwar in dieser Reihenfolge. Ausserdem koche und backe ich sehr gerne und liebe es auf Entdeckungsreise zu gehen.

10 Kommentare zu „Rezension | Das Flüstern der Magie – oder nur nicht zu viel nachdenken

  1. Liebe Daniela

    Solche Bücher gibt es manchmal einfach und ich kann gut verstehen, dass dir das Schreiben der Rezension nicht ganz leicht gefallen ist. Aber dennoch ist dir die Rezension sehr gut gelungen, ich kann deine Kritik wunderbar nachvollziehen (obwohl ich das Buch gar nicht kenne) und erkenne auch die positiven Aspekte darin, genau so soll eine Rezension doch sein und nun kann ich selber entscheiden, ob ich mich auf das Buch einlassen möchte, oder eher nicht. (Spoiler: das wird eher nicht geschehen ;-) )

    Alles Liebe und starte gut in die Woche
    Livia

    Gefällt 2 Personen

  2. Liebe Daniela,
    ich kann mich deiner Rezension nur anschliessen. Ich finde, dass die beiden so schnell im Bett gelandet sind, ist noch das Glaubwürdigste an der ganzen Geschichte. Es gibt so viele Menschen, die einfach mal einen One Night Stand haben, dass mich das gar nicht mal so schockiert hat. Nur die Gefühle und alles, was daraus resultiert. Sorry, aber das geht besser! :) Alles Liebe
    Janika

    Gefällt 1 Person

  3. Hi Daniela,

    so geht es mir mit Laura Kneidls Büchern leider oft. Die YA-Romane habe ich vor einer Weile aussortiert, Someone new hatte ich mir damals ausgeliehen und war von der Menge an verarbeiteten Themen schier erschlagen. Letztlich war ich nach der Lektüre echt froh, dass ich mir das Buch nicht gekauft habe… Ihre Fantasy-Reihe Die Krone der Dunkelheit mag ich gerne, der Rest, wie gesagt, ist schwierig.
    Grund dafür ist, wie du es sehr treffend formulierst, die Oberflächlichkeit. Es wirkt einfach oft nicht zuende durchdacht. :( Schade, dass es bei diesem Buch auch so ist. Dann werde ich wohl warten, bis meine Bibliothek das Buch hat. Kaufen werde ich es mir vermutlich nicht.
    Danke für die ehrliche Rezension!

    Liebe Grüße
    Nina

    Gefällt 1 Person

    1. Hey Nina,

      Bis auf „Die Krone der Dunkelheit“ (was ich richtig gut fand) und jetzt eben „Das Flüstern der Magie“ habe ich noch keine Bücher von Laura Kneidl gelesen. Die haben mich nicht sonderlich angesprochen und nach deinem Urteil, werde ich mir die wohl auch nicht zutun. Höchstens vielleicht mal aus der Bibliothek. :)

      Grüessli, Daniela

      Liken

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