Quicktipp | Wellensang – Wenn alte Wellen singen

Anna Eichenbach | Wellensang – eine Limfjord Saga | November 2019 | Burgenwelt Verlag | 256 Seiten
Dieses Buch wurde mir als Leseexemplar zur Verfügung gestellt.

»Er hatte ihr geschworen zurückzukehren. Und dann nähme er Rache, wie Eirik es gefordert hatte. Rache an dem Mann, den er immer als seinen treusten Freund betrachtet hatte.«
– ca. S.176

Ende des 8. Jahrhunderts in Nordjütland: Die Jarlstochter Turid wird nach Limgard in die alte Heimat ihrer Mutter gesandt. Dort erwartet sie ein ganz anderes Leben, als sie es vom Hof ihres Vaters gewohnt ist. Statt mit den Männern zu einer Viking aufzubrechen, muss sie mit den anderen Frauen im Dorf bleiben, weben und sich in ihre Rolle als Frau fügen. Als sich jedoch die Möglichkeit zur Rückkehr in die Heimat bietet, zögert sie. Längst hält Turid mehr in ihrer neuen Heimat, als sie sich eingestehen mag.
Ausgerechnet die Limgarder Rorik und Svein, die einander näher stehen als Brüder, verlieben sich in Turid. Aus Gefährten werden Konkurrenten. Bis ihr gemeinsamer Freund Hakon sie zu einem anderen Abenteuer lockt. Angespornt durch Gerüchte über eine Insel voller Reichtümer, brechen die Männer zu einer Viking auf. Ihr Ziel: England – und ein Platz in den Liedern der Skalden. Doch die Unternehmung soll anders verlaufen, als erhofft … (Quelle: Burgenwelt Verlag)

Wellensang ist eine Erzählung, die in vielen Punkten überzeugt. So zum Beispiel in der Darstellung des damaligen Lebens, der Gepflogenheiten und der kulturellen Eigenheiten.Wellensang_1 So finden die nordischen Götter oder die Brutalität der Wikingerraubzüge ebenso Platz, wie die frühmittelalterlichen Herrschaftsverhältnisse in England. Sowohl die Sprache wie auch die Handlungen wirken authentisch und gut recherchiert.
Ebenfalls zu überzeugen vermochten mich die Charaktere, die sich alle in die eine oder andere Richtung entwickeln. Allen voran natürlich Turid, die sich so gar nicht mit dem typischen Frauenbild arrangieren mag und so eine starke und unabhängige Rolle einnimmt – was ja zur Zeit durchaus im Trend der starken Frauenfiguren liegt. Aber auch Rorik’s Charakter entwickelt sich in eine Richtung, die ich nicht erwartet hatte, die mich überraschte, die ich aber auch gelungen und passend fand.

Die Geschichte wird auf zwei Handlungsebenen erzählt. Während die eine in Limgard angesiedelt ist und von Turid und ihren Freunden erzählt, spielt der zweite Handlungsstrang in England und handelt von Heather und ihrer Familie. Was mich zu Beginn etwas irritierte, denn die zwei Handlungsstränge sind nicht ganz scharf voneinander getrennt, so dass in einem Absatz noch von Turid die Rede ist und im nächsten dann bereits von Heather. Mit der Zeit gewöhnte ich mich allerdings an diese Sprünge.
Hingegen störte mich die zeitliche Raffung im zweiten Teil der Erzählung wesentlich mehr. Wird zu Beginn noch viel Zeit auf die Charakterentwicklung und die Darstellung der damaligen Zeit und Umstände aufgewendet, so folgt ab der Hälfte eine Wendung auf die andere. Das macht die Handlung zwar spannend, aber auch etwas hektisch und sowohl für die Darstellung der Ereignisse als auch für die Charakterentwicklung bleibt wenig Raum. Kein Wunder also blieben manche Taten und deren Beweggründe unverständlich. Und leider geriet auch Turid in eine zunehmend passive Rolle.

Nichts desto trotz konnte mich Wellensang in mancher Hinsicht überraschen. So mochte ich die differenzierten Charaktere sehr gerne. StrandlektüreUnd auch über das frühmittelalterliche Leben und die Wikinger konnte ich dank der tollen Recherche der Autorin einiges lernen. Wenn auch grad diese beiden Punkte in der zweiten Buchhälfte etwas auf der Strecke blieben. Da hätte ich mir ein bisschen mehr Ruhe und Muse gewünscht, um die Dinge sich entwickeln zu lassen. Trotz alledem lässt sich Wellensang flüssig und leicht lesen und ist genau richtig für einen gemütlichen Nachmittag auf dem Balkon oder am See.

Weitere Meinungen

»Anna Eichenbachs Debüt ist eine herausragende Liebesgeschichte mit unglaublich viel Gefühl in einem historisch-authentischen Setting. Sie hat es geschafft, dass ich im Laufe der zweiten Hälfte sogar geweint habe.« – The Librarian and her Books

»Mir gefiel das Buch gut. Allerdings ging mir der „Böse“ zu weit. Ich hätte mir gewünscht, dass er eine bestimmte Grenze nicht auch noch überschritten hätte.« – Feder und Eselsohr


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