Geplauder | von dunklen Nächten und erhabenen Anblicken

Es ist 4:30Uhr morgens und eigentlich viel zu früh. Aber der Wecker klingelt erbarmungslos und treibt uns so aus den Federn. Immer wieder erstaunlich wie wach ich Morgenmuffel zu dieser Nachtschlafenden Stunde sein kann. Aber die Vorfreude auf einen lang gehegten Traum lässt mich bereits nach dem ersten Weckerpiep kerzengerade im Bett sitzen.

Gepackt ist schnell, an Frühstück nicht zu denken. Irgendwie bin ich wohl doch noch nicht ganz wach. Und auch die Autofahrt Richtung Neuchâtel ist eine stille Angelegenheit. Nur das Radio plärrt vor sich hin und der Moderator wünscht uns einen fröhlichen guten Morgen. Das ist mir dann doch etwas zu viel gute Laune und so ist für die nächsten paar Autobahnkilometer nur das Rauschen der Pneus auf Asphalt zu hören.
Doch bald schon stehen wir vor der nächsten Herausforderung, irgendwie müssen wir in dieser Finsternis unseren Weg finden. Anders als bei uns steht im Jura nicht an jeder Ecke eine Strassenlaterne und so sehen wir die Wegweiser oft erst im letzten Moment. Und zu allem Übel sind wir auf schmalen Nebensträsschen unterwegs, die auf der Strassenkarte gar nicht mehr eingezeichnet sind. Aber irgendwie gelangen wir ans Ziel, wenn auch nicht ganz auf der Route, die wir uns ausgesucht hatten.

Und kalt ist es, an diesem Septembermorgen. Ein bissiger Wind pfeift mir um die Ohren und ich krame alles an warmen Kleidungsstücken aus meinem Rucksack was ich hab. Mit Kappe und Handschuhen ausgerüstet machen wir uns dann auf den Weg. Vom Parkplatz bei Le Soliat sind es keine 10 Minuten Fussmarsch bis zum Anblick meiner Träume.
Vor uns öffnet sich ein Felskessel, mehrere hundert Meter breit und tief. Nebelschwaden ziehen durchs Tal und am Horizont lassen sich bereits die ersten Sonnenstrahlen erahnen. Völlig überwältigt bleiben wir einen Moment stehen, atmen, staunen.
Entlang des Abgrunds treffen wir immer wieder auf andere Frühaufsteher. Da sind die zwei jungen Männer, die neben einem Feuerchen die Nacht in ihren Schlafsäcken verbracht haben, dort das junge Pärchen, das eng aneinander gekuschelt dem kalten Wind trotzt, hier die zwei jungen Frauen mit ihren schweren Rucksäcken.
Und irgendwo mitten drin sind wir, die staunend an einer windgeschützten Stelle am Rande knien und uns unglaublich klein und bedeutungslos fühlen. Ein erhabener Anblick.

6 Kommentare zu „Geplauder | von dunklen Nächten und erhabenen Anblicken

  1. Hallo!
    Wirklich unglaublich schöne Bilder Daniela. Vor alle Dingen morgens den Sonnenaufgang mitzuerleben hat etwas magisches finde ich. Da bekomme ich auch Lust mal wieder wandern zu gehen und wenn es auch nur in der näheren Umgebung ist. Man entdeckt doch auch dort immer wieder neues.
    Alles Gute, Marleen

    Gefällt 1 Person

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