Rezension | Die Spur des Geldes – Ermittlungen quer durch Europa

»Die Flasche auf dem Holzblock.
Er griff gierig nach dem Wasser.
Zögerte.
Magomedows Abschiedsworte kamen zurück. Was hatte er gesagt? „Versuchskaninnchen“. Der Verdacht umklammerte Winters Gedanken. Vergiftet? Mit Viren verseucht? Sein ausgetrockneter Gaumen lechzte nach dem klaren Wasser.«
– aus „Die Spur des Geldes“, S.275

Peter Beck | Die Spur des Geldes | März 2019 | emons Verlag | 432 Seiten
Dieses Buch ist ein Leseexemplar, was meine ehrliche Meinung aber nicht beeinflusst hat.

Manchmal nimmt man ja ein Buch zu Hand, beginnt zu lesen und – schwupps! – ist man auch schon durch die Geschichte gerast. Manchmal da gestaltet sich das aber auch ein bisschen zäher, sei es, weil die Geschichte nicht richtig in Fahrt kommt, weil man sich als Leser nicht so recht auf die komplexe Handlung konzentrieren kann oder auch weil gerade beides zutrifft.

Ein schwacher Start in ein komplexes Thema

Ich bin ganz ehrlich mit euch, die ersten Seiten und Kapitel dieses Buches waren ein Kampf und das obwohl die Geschichte so vielversprechend beginnt. In einem Schacht am Tegeler See wird die Leiche eines Mitarbeiters der Berliner Wasserwerke gefunden. Otto Harnisch wurde grausam zu Tode gefoltert. Die Nachforschungen des LKA zeigen, dass er in dubiose Bankgeschäfte verwickelt war. Und da kommt Tom Winter, Sicherheitschef einer Schweizer Privatbank, auf den Plan. Er soll ein Bankkonto überprüfen und stösst dabei auf eine undurchsichtige Stiftung in Liechtenstein. Das weckt seine Neugier und so stösst er bald auf verdächtige Machenschaften in den Wasserwerken von London, München oder Zürich. Ist unser Trinkwasser in Gefahr? Der Spur des Geldes folgend gelangt Winter bis ins russische Die_Spur_des_Geldes_1Krasnodar, wo ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt.
So gelesen klingt das doch richtig spannend, oder? Aber irgendwie ist es grad auf den ersten 200 Seiten richtig viel und dann auch wieder nicht. Das klingt jetzt vielleicht verwirrend, darum versuche ich meine Eindrücke mal etwas zu erklären.
Zum einen passiert auf den ersten gut 200 Seiten viel, es gibt eine Vielzahl von Schauplätzen, so einige Personen treten in Erscheinung und ebenso viele verschwinden auch wieder von der Bildfläche. Und mit diesen Schauplätzen und Personen kommen auch viele Informationen, die zu Beginn nicht ganz einfach einzuordnen sind. Man muss den Kopf echt bei der Sache haben.
Zum anderen plätschert die Geschichte aber trotz der Informationsfülle nur so vor sich hin. Spannung will nicht recht aufkommen und die Handlung scheint auf der Stelle zu treten. Immer wieder schweifen meine Gedanken beim Lesen ab und ich muss die Kapitel mehrmals lesen, um der Handlung überhaupt einigermassen folgen zu können. Das geht gar soweit, dass ich lieber zu anderen Büchern greife, als mich mit Winter und seinen Widersachern herum zu schlagen.
Nach diesem holprigen Beginn hatte ich das Buch schon beinahe abgeschrieben.

»Die Klimaanlage des Sitzungszimmer summte kalt. Bleierne Müdigkeit. Seine Glieder schwer. Winter griff nach der Kaffeetasse. Leer. Waren das vielleicht Grippe-Symptome?«
– aus „Die Spur des Geldes“, S. 344

Dafür ein Ende, das entschädigt

Allerdings überraschte mich Peter Beck doch noch einmal, denn ab der Hälfte des Buches gewinnt die Handlung so langsam aber sicher an Fahrt. Und plötzlich ist auch die Spannung da. Die Puzzleteile landen nach und nach an der richtigen Stelle und es wird einem nicht nur das ganze Ausmass der Gefahr vor Augen geführt, so langsam wird auch das geniale Konstrukt hinter der Geschichte ersichtlich. Und lässt den langatmigen Beginn in den Hintergrund treten.
Die Story ist durchdacht und gut recherchiert. Und in diesem spannenden zweiten Teil kommt auch der prägnante Schreibstil wunderbar zu Geltung. Was vorher noch etwas abgehackt und holprig daher kam, wirkt nun rasant, treibt die Geschichte voran und die Spannung in ungeahnte Höhen. Ein solch rasantes Ende entschädigt für so manche Durststrecke.
Und ganz ehrlich, irgendwie macht mir die Story auch etwas Angst. Was wenn Terrorismus wirklich so ausschaut, heute oder in naher Zukunft? So ganz realitätsfern ist das Szenario nämlich nicht…

Die_Spur_des_Geldes_2

 Fazit

Alles in allem ist Die Spur des Geldes ein echt spannender Thriller, Lese-Tippauch wenn mir die erste Hälfte einiges an Durchhaltevermögen abverlangt hat. Im ersten Teil ist die Story sehr breit gefächert, es gibt unzählige lose Enden und Handlungsstränge, die einfach zusammenhangslos wirken. Das geniale Konstrukt der Geschichte tritt erst in der zweiten Hälfte zu Tage, als die Puzzleteile so langsam an ihren Platz fallen und ein Bild ergeben. Ab dann ist Action und Spannung angesagt bis zum Ende. Und das entschädigt für den zähen Beginn.

Weitere Meinungen

»Kurzum: ein riesengroßes Paket wird da geschnürt und in Thrillerform an den Leser gebracht. Das liest sich dann doch spannend, vom Thema her wichtig, von der Umsetzung her geschickt, so dass man gewisse Szenen gerne verdrängt und sich von der eigentlichen Story leiten lässt.« – Der Blog der Schurken

»Das Buch ist nicht schlecht und man merkt, dass der Autor die Geschichte mit Herzblut geschrieben hat. Aber leider konnte mich weder sein Schreibstil, noch der Erzählstil überzeugen.« – The Librarian an her books

»“Die Spur des Geldes“ von Peter Beck ist ein interessanter und informativer Spannungsroman, der seine Höhen nach und nach mehr aufbaut und für eine einzigartige Geschichte sorgt.« – Letterheart


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