Herzensbuch #7 | von Meteoriten, Freundschaft und Selbstbestimmung

Wir alle haben sie. Bücher, die uns den Atem rauben, die uns träumen lassen und von denen man sich wünscht, sie würden nie enden. Absolut geniale Meisterwerke, die wir immer wieder lesen können und allen und jedem empfehlen, ob er oder sie es hören will oder nicht. Ganz klar, ich spreche von Herzensbüchern.
Genau zu diesen besonderen Geschichten haben sich Janika und Sabrina eine kleine Aktion ausgedacht. Immer am 20. jeden Monats stellen sie in kurzen, knackigen Worten eines ihrer absoluten Lieblingsbücher vor, in der Hoffnung, dass sich diese Liebe verbreitet und solche wunderbaren Bücher mehr Aufmerksamkeit bekommen Diese dürfen auch gerne schon ein paar Jährchen auf dem Buckel haben.

Den Autor meines heutigen Herzensbuch habe ich erst durch das bloggen kennen und lieben gelernt. Seine Geschichten sind einfach ganz besonders, behandeln schwierige Themen auf eine humorvolle und doch ernste Art. So ist auch jene von Alex wunderbar humorvoll aber auch todtraurig.

Gavin Extence – Das unerhörte Leben des Alex Woods oder warum das Universum keinen Plan hat

Eigentlich beginnt das Buch ja kurz vor Ende, dann nämlich, als Alex in Dover von Grenzbeamten mit 113 Gramm Marihuana im Handschuhfach und der Urne von Mr. Peterson auf dem Beifahrersitz aufgegriffen wird. Den Anweisungen des Zollbeamten kann er grad nicht folge leisten, da er versucht einen Epileptischen Anfall abzuwenden.Herzensbuch_1 Infolgedessen wird er auf das Dover Police Department verfrachtet, mit so einigen vermeintlichen Beweismittel konfrontiert und aufgefordert doch endlich die Wahrheit zu erzählen. Und das macht Alex dann auch. Und zwar ganz ausführlich.

Etwas vom Besten an der ganzen Geschichte ist der trockene Britische Humor gepaart mit so manchen skurilen Ereignissen, allen voran der Meteorit, der durch das Hausdach schlägt und Alex am Kopf trifft. Dieser „Unfall“ ist nicht nur der Auslöser für Alex‘ Temporallappenepilepsie, sondern auch für sein Interesse an Neurologie und Astrophysik. Macht euch also auch auf ein paar physikalische und biologische Exkurse gefasst, denn Alex nimmt sein Interesse für diese Gebiete sehr genau.
Kein Wunder also, dass er in der Schule zum Aussenseiter wird, er interessiert sich für die falschen Dinge, hat eine etwas komische, alleinerziehende Mutter und trägt auch noch die falschen Klamotten. So bekommt er von seinen Mitschülern so einiges ab.

»In der Mittelstufe, besonders am Anfang, wird Vielfalt nicht geschätzt. In der Mittelstufe ist anders zu sein das schlimmste Verbrechen, das man begehen kann. Eigentlich ist anders zu sein in der Mittelstufe das einzige Verbrechen, das man begehen kann.«
– aus „Das unerhörte Leben des Alex Woods“, S.99

Allerdings lernt er durch eine dieser Mobbing Attacken auch den miesepetrigen Mr. Peterson kennen. Der lebt in einem alten Haus mit verwidertem Garten, baut auf seinem Dachboden Marihuana an und liest für sein Leben gern die Romane von Kurt Vonnegut. Und über die Bücher finden die beiden auch zueinander.
Als Mr. Peterson aber schwer erkrankt, muss Alex die wohl schwerste Entscheidung seines bisherigen Lebens treffen. Und hier beweist Gavin Extence sein Talent für feinfühlig und intelligent erzählte Geschichten, die sich auch schwierigen und kontrovers diskutierten Themen annehmen. Es geht hier nämlich nicht nur um das Führen eines selbstbestimmten Lebens, sondern auch darum sein Sterben selbst bestimmen zu können. Extence erzählt dies feinfühlig, ernsthaftig, aber auch humorvoll und freundlich, manchmal tieftraurig, aber immer voller Hoffnung. Und deshalb lohnt sich die Lektüre.


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