Herzensbuch #6 |(K)ein Sommerbuch

Wir alle haben sie. Bücher, die uns den Atem rauben, die uns träumen lassen und von denen man sich wünscht, sie würden nie enden. Absolut geniale Meisterwerke, die wir immer wieder lesen können und allen und jedem empfehlen, ob er oder sie es hören will oder nicht. Ganz klar, ich spreche von Herzensbüchern.
Genau zu diesen besonderen Geschichten haben sich Janika und Sabrina eine kleine Aktion ausgedacht. Immer am 20. jeden Monats stellen sie in kurzen, knackigen Worten eines ihrer absoluten Lieblingsbücher vor, in der Hoffnung, dass sich diese Liebe verbreitet und solche wunderbaren Bücher mehr Aufmerksamkeit bekommen Diese dürfen auch gerne schon ein paar Jährchen auf dem Buckel haben.

So langsam lichtet sich das Umzugschaos, die Bücher stehen wieder im Regal, die meisten Kartonschachteln sind wieder zusammen gefaltet. Und auch auf der Arbeit haben sich die Bewohner*innen in ihre Sommerferien verabschiedet, so dass ich jetzt zwei Wochen Zeit habe, nichts zu tun. Was so viel heisst wie lesen, bloggen und mich im See abkühlen. Fangen wir also grad an damit.

Vanessa LaFaye – Summertime, die Farbe des Sturms

Ich weiss noch gut, wie ich vor ein paar Jahren in der Buchhandlung über das heutige Herzensbuch gestolpert bin. Ich war auf der Suche nach etwas Sommerlektüre für in die Badi und fand die fröhlichen Farben und Pfauenfedern auf dem Cover so schön. Als dann auch der Klappentext vielversprechend klang, war das Buch kurzerhand gekauft. Allerdings bekam ich dann nicht ganz die erhoffte Sommerlektüre zu lesen.

Herzensbuch_1Die bunten Farben auf dem Cover spiegeln nämlich nur die aufgesetzte Fröhlichkeit der Bewohner*innen von Heron Key wieder, die Geschichte selbst geht jedoch um einiges tiefer, ist vielschichtiger und weist einen wahren Kern auf.
Im Roman geht es um Themen wie Kriegstraumata, Armut, Rassentrennung, Gewalt in der Ehe, ganz unterschiedliche Arten von Beziehung, oder Voodoo Zauber. Die Autorin lässt dazu die verschiedensten Charaktere zu Wort kommen, beleuchtet die unter dem Deckmantel der Freundlichkeit schwelenden Konflikte und die Unzufriedenheiten der Protagonisten. Die vielen Themen und Blickwinkel verlangen zwar ein genaues Lesen, machen die Geschichte allerdings auch sehr vielschichtig und spannend.
Richtig toll ist zudem, wie sich über dem ganzen Sturm der Gefühle ein gewaltiger Hurrikane zusammenbraut. Auch dieses Naturereignis schildert die Autorin auf äusserst realistische Weise, beinahe vermag man die Zerstörungswut dieses Sturms am eigenen Leib zu spüren. Man fiebert mit, wie Heron Key die Katastrophe übersteht und ob sie den gewünschten Neuanfang bringt. Der Sturm ist aber auch ein grossartiges Stilmittel, so wie sich die innere Unzufriedenheit der Bewohner*innen von Heron Key aufschaukelt und Konflikte eskalieren, so braut sich der Sturm zusammen – als äussere Manifestation der inneren Unruhe der Protagonisten.

Wenn ihr also Lust auf eine etwas andere Sommerlektüre habt, etwas über Florida in den 30er Jahren, Rassenkonflikte, Machtkämpfe und Lynchjustiz lesen wollt, dann seid ihr mit Summertime richtig gut bedient.

»Sie sind aber nicht wie du und ich«, zischte Ronald ihn an. »Absolut nicht. Und wenn du nicht tust, was getan werden muss« – er setzte sich wieder hin und kreuzte die Arme vor der Brust -, »dann werden die Bürger dieser Stadt diese Aufgabe übernehmen.«
Dwayne gefiel das fiebrige Flackern in seinen Augen ganz und gar nicht. Er hatte es allzu oft im Schein von brennenden Kreuzen gesehen.
– aus „Summertime, die Farbe des Sturms“, S. 162


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