Herzensbücher #2 | im Herzen berührt

Wir alle haben sie. Bücher, die uns den Atem rauben, die uns träumen lassen und von denen man sich wünscht, sie würden nie enden. Absolut geniale Meisterwerke, die wir immer wieder lesen können und allen und jedem empfehlen, ob er oder sie es hören will oder nicht. Ganz klar, ich spreche von Herzensbüchern.
Genau zu diesen besonderen Geschichten haben sich Janika und Sabrina eine kleine Aktion ausgedacht. Immer am 20. jeden Monats stellen sie in kurzen, knackigen Worten eines ihrer absoluten Lieblingsbücher vor, in der Hoffnung, dass sich diese Liebe verbreitet und solche wunderbaren Bücher mehr Aufmerksamkeit bekommen Diese dürfen auch gerne schon ein paar Jährchen auf dem Buckel haben.

Auch diesen Monat habe ich es geschafft einen Beitrag für dieses tolle Format vorzubereiten. Dieses Mal geht es um ein Buch, das mich so sehr berührt hat, dass ich es gleich zweimal hinter einander gelesen habe. Und im Anschluss habe ich mir auch noch die Verfilmung dazu angesehen.

Markus Zusak – Die Bücherdiebin

In diesem anrührenden und aufwühlenden Buch geht es um Liesel, die im Alter von neun Jahren schon vieles verloren hat: ihren Vater, ihre Mutter und auf der Fahrt zu den Pflegeeltern auch ihren Bruder Werner. Als der Bruder stirbt gerät das Mädchen auch zum ersten Mal in das Blickfeld des Todes, denn der Tod ist in dieser Geschichte nicht einfach nur ein Statist, er ist der Erzähler. Herzensbücher_1Und Liesel stiehlt an der Beerdigung des Bruders auch ihr erstes Buch, ein Handbuch für Totengräber. Im Verlauf der Geschichte stiehlt sie nicht nur weitere Bücher, sondern auch Äpfel, Kartoffeln und die Herzen der Menschen um sie rum. Selbst jenes des Todes.

Jetzt wo ich diesen Beitrag schreibe und etwas in den Seiten blättere, überkommt mich eine unbändige Lust, dieses besondere Buch erneut zu lesen, mich von der Sprachgewalt des Erzählers, den feinen Zwischentönen und der ruhigen aber gewaltigen Geschichte erneut verzaubern zu lassen.
Denn die Geschichte ist wirklich ganz besonders. Und das nicht nur wegen der ungewöhnlichen Erzählperspektive. Der Tod erzählt hier eine Geschichte von Liebe, Verständnis und Zusammenhalt und das in einer Zeit, in der man nicht wusste, wem zu trauen war und in der Geschichten oft die einzige Möglichkeit waren, der grausamen Realität zu entfliehen. Dabei ist die Sprache wirklich unglaublich schön, voller Bilder, Metaphern und Poesie. Der Erzähler kombiniert geschickt Farben, Töne, Eigenschaften zu einem Bild und erzählt in kurzen, bedeutungsschwangeren Sätzen und in Worten mit doppelten Böden. Als Leser*in wird man gefangen genommen von dieser Doppelbödigkeit, der Widersprüchlichkeit. Der Tod erzählt seine Geschichte mit einer beinahe grausamen Ehrlichkeit, allerdings verpackt in dieser bildhaften poetischen Sprache. Darin liegt ganz viel Kraft und Zauber.

»’Saukerl‘, lachte sie und hob ihre Hand. Sie wusste genau, dass er sie in diesem Augenblick ‚Saumensch‘ nannte. Ich denke, näher können Elfjährige der Liebe nicht kommen.«
– S.160

Was Die Bücherdiebin neben dem Schreibstil und der Erzählperspektive so besonders macht, ist die Alltäglichkeit, das Normale. Es wird nicht viel von den Grausamkeiten des Krieges oder vom Schrecken des Holocaust geschrieben, vielmehr findet das Leben abseits vom Kriegsgeschehen statt, das Anstehen für Lebensmittel, eine dunkle Nacht im Luftschutzkeller, oder langweilige Schulstunden. Trotzdem spürt man, welch grausames Schicksal zum Beispiel die Juden durchleben mussten. Das durch die grossartigen Charaktere, die durch ihr Handeln und ihr Verhalten ganz klar Position beziehen und die Augen nicht verschliessen. Das Buch braucht dadurch weder grausam, noch schockierend, noch schulmeisterlich zu werden und das empfinde ich als grosse Stärke.
So ist die Geschichte alles, unterhaltsam, lustig, herzerwärmend, politisch und ergreifend. Vielleicht mag sie für den ein oder anderen zu Beginn etwas gewöhnungsbedürftig sein, doch wenn man sich einmal darauf eingelassen hat, möchte man das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Und so werde ich mich jetzt auch auf das Sofa setzen und mich erneut in diese grossartige Geschichte fallen lassen. Seid ihr dabei?


Beim Hinterlassen eines Kommentars erklärt ihr euch damit einverstanden, dass Personenbezogene Daten wie eure IP-Adressen und ggf. der (Nutzer-) Name, die E-Mail Adresse und eure Website-Url erhoben und gespeichert werden.

Werbeanzeigen