In den letzten Tagen ist das Fernweh wieder einmal besonders stark, ich schaue mir alte Fotoalben an, stöbere auf dem PC nach unentdeckten Bildern und mache mir bereits Gedanken, wohin es denn als nächstes gehen soll. Dabei ist mir wieder in den Sinn gekommen, dass ich euch ja noch ein bisschen mehr von meinem Norwegen Urlaub diesen Herbst erzählen könnte. Zum Beispiel von unserer Wanderung durch das Leirungsdalen.

Für einmal begrüsste uns an diesem Morgen nämlich bereits Sonnenschein und so machten wir uns gut gelaunt und voller Tatendrang auf zu neuen Abenteuern. Das Autoradio lief auf Hochtouren und wir machten uns einen Spass draus, die unmöglichsten norwegischen Wörter nachzuplappern.
Unser Weg führte uns von Vågåmo aus Richtung Randsverk, vorbei an Langlaufloipen und Skipisten mitten ins Nirgendwo in den Jotunheimen Nasjonalpark. Tags zuvor entdeckten wir von der Strasse aus einen wunderschönen, mäandrierenden Fluss und ganz hinten im Tal einen kleinen See. Während den abendlichen Recherchen entdeckte Kerl dann eindrückliche Bilder des Tals von oben und schnell stiessen wir auch auf die entsprechende Wanderung über die Knutshøe. Und genau dahin waren wir heute unterwegs.

Kurz nach Gjendesheim besetzten wir auf dem kleinen Besucherparkplatz die letzte Parklücke und machten uns parat für die Tour. Über Heidelandschaft und ein romantisches Bächlein führte uns der Weg der Knutshøe entgegen. Und zum ersten Mal in diesem Urlaub war es warm, die Sonne wärmte und schon bald schälten wir uns aus unseren vielen Schichten, ein T-Shirt und etwas gegen den Wind war angesagt. Mehr aber auch nicht. Leirungsdalen_2
Nach wenigen Minuten standen wir auch schon unterhalb des ersten Anstiegs auf die Knutshøe. Da der Weg schmal und steil wurde und uns grad zwei Norwegerinnen entgegen kamen, warteten wir. Eine der Frauen sprach uns an, meinte, es sei wiese, dass ich meine Wanderstöcke am Rucksack befestigt hätte, da es sehr unwegsam werden würde. Okay… Wir wechselten noch ein paar Worte, bevor sie sich wieder dem Tal zuwandten und wir leicht beunruhigt gegen die Knutshøe blickten. Unwegsam? Man musste doch nicht etwa Klettern, oder? Es gab nur einen Weg, das herauszufinden, wir mussten es uns selbst anschauen.

Also begannen wir den Aufstieg, in engen Spitzkehren ging der Weg den Berg hinauf bis zu einem Felsband. Und tatsächlich, es sah ganz danach aus, als müssten wir auf Händen und Füssen weiter kraxeln. Kerl meinte ganz lakonisch: „Dann mal los!“ und stieg vor. Mein Puls stieg schon mal leicht an und ein flaues Gefühl bereitet sich in meinem Magen aus. Aber hej! Wir hatten uns schliesslich während eines Kletterweekends im Tessin kennen gelernt, da würde mich doch dieses läppisch Felsband nicht in die Knie zwingen.
Mutig kraxelte ich ihm nach und suchte Halt. Die ersten paar Meter ging es auch ganz ordentlich vorwärts, bis ich irgendwann feststeckte. Ich kam weder vorwärts noch rückwärts, nichts ging mehr. Und das ohne Sicherung… Schlagartig war mein Puls auf 180 und ich kurz davor, Panik zu schieben. Zum Glück blieb Kerl die Ruhe selbst und irgendwie lotste er mich wieder von diesem Felsband runter. Phuu, war ich froh, wieder festen Boden unter den Füssen zu haben. Aber das war es erst einmal mit unserer Wanderung über die Knutshøe.

Leirungsdalen_4Allerdings führen viele Wege ins Leirungsdalen und so entschlossen wir uns dazu, dem Flusslauf Richtung Øvre Leirungen, dem kleinen See am Talende, zu folgen. Und so folgten wir dem gewundenen Pfad durch herbstlich verfärbte Birkenwälder, durch Heideland und je weiter wir ins Tal vordrangen auch immer mehr durch ein Hochmoor. Der Fluss schlängelte sich wild durch die Landschaft und wir konnten uns richtig vorstellen, wie sich dieses Tal nach jedem Winter wieder in einem neuen Gewand präsentiert. Ein kleines bisschen Wehmut beschlich uns, dass wir am Aufstieg zur Knutshøe nicht hartnäckiger waren. Die Aussicht wäre bestimmt traumhaft gewesen.
Beim See Øvre Leirungen machten wir  dann unsere wohlverdiente Rast. Über zwei Stunden spazierten wir nun bereits das Tal entlang. Von der Strasse aus, schien es wesentlich näher…
Am See stand auch eine kleine Schutzhütte an deren Seitenwände so einige Informationen für Wanderer angepinnt waren. Unter anderem entdeckten wir auch einen kurzen Tourbeschrieb über die Knutshøe, in dem mehrere Kletterstellen erwähnt wurden. Da waren wir dann doch erleichtert, dass wir bereits in der ersten Kletterpassage das Handtuch geschmissen hatten. Wie wäre das sonst wohl raus gekommen, wenn wir plötzlich mitten in der Tour stecken geblieben wären?!
Nach der Rast am See spazierten wir jedenfalls gesund und munter wieder durch das Tal zurück und erfreuten uns an den wundervollen Eindrücken und Erinnerungen, die wir auf dieser Tour gewonnen hatten.

Leirungsdalen_5Leirungsdalen_6


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6 Kommentare zu „Unterwegs | im Leirungsdalen

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